Sierra Leone: Schulverbot für schwangere Mädchen

Tausenden schwangeren Schülerinnen wird in Sierra Leone der Unterricht verweigert. Amnesty International setzt sich für ihr Recht auf Bildung ein.

Eine Schulklasse in Freetown. ©AI
Eine Schulklasse in Freetown. ©AI

Die Regierung hatte Anfang April 2015 ein Schulverbot für schwangere Schülerinnen verhängt, da diese „schlechten Einfluss“ ausübten. Seitdem nahmen viele Lehrer*innen demütigende körperliche Kontrollen vor. Lehrer*innen würden auf die Brüste und Bäuche drücken, um zu testen, ob sie schwanger seien, erzählte eine 18-Jährige Amnesty International. Einige Mädchen wurden zum Schwangerschaftstest gezwungen.
Zwar gibt es von Nichtregierungsorganisationen geförderten Ersatzunterricht für schwangere Schülerinnen, doch von staatlich anerkannten Prüfungen seien sie weiter ausgeschlossen.

Aufgrund eines Ebola-Ausbruchs, in dessen Folge laut der Weltgesundheitsorganisation mehr als 14.000 Menschen in Sierra Leone erkrankten, waren Mitte 2014 die Schulen für zehn Monate geschlossen worden, um das Infektionsrisiko zu mindern.

Während dieses Zeitraums gab es einen Anstieg an Schwangerschaften unter Jugendlichen. Viele davon sind ungewollt gewesen und das Resultat sexueller Gewalt.
Bereits vor dem Ausbruch der Ebola-Epidemie war die Schwangerschaftsrate unter Jugendlichen in Sierra Leone hoch. Im Jahr 2013 bestätigten offizielle Statistiken, dass 28 Prozent aller Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren bereits Kinder zur Welt gebracht hatten oder schwanger waren.

Amnesty International setzt sich gemeinsam mit lokalen Organisationen seit mehr als einem Jahr für ein Ende des Schulverbots für schwangere Mädchen ein. Zumindest demütigende Schwangerschaftstests werden nicht mehr durchgeführt. Das Schulverbot ist weiter aufrecht.

Bitte unterschreiben Sie den Online-Appell

Amnesty fordert

  • das diskriminierende und stigmatisierende Verbot aufzuheben, sodass schwangere Mädchen reguläre Schulen besuchen können und so das Recht auf Bildung und Gleichbehandlung gewährleistet wird
  • die Rechte von schwangeren Mädchen in Sierra Leone besser zu schützen
  • sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen in Sierra Leone zu bekämpfen
  • Sexualkunde in den Lehrplan aller Schulen aufzunehmen
  • Gesundheitsversorgung und die Aufklärung über sexuelle und reproduktive Rechte im Land voranzutreiben.

 

Ein Gedanke zu „Sierra Leone: Schulverbot für schwangere Mädchen“

  1. Junge Mädchen müssen geschützt und nicht diskriminiert werden. Schule und Unterstützung statt Ausschluss!

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