Schlagwort-Archive: willkürliche Verhaftung

Malaysia: AKTIVISTIN IN EINZELHAFT

Bersih 4.0-Demo am 30. August 2015 in Kuala Lumpur: © Charles Pertwee/Getty Images
Bersih 4.0-Demo am 30. August 2015 in Kuala Lumpur: © Charles Pertwee/Getty Images

Die Menschenrechtsverteidigerin Maria Chin Abdullah ist am 18. November festgenommen worden, weil sie eine Demonstration für freie und faire Wahlen organisiert hatte. Die gewaltlose politische Gefangene befindet sich in Einzelhaft und könnte bis zu 28 Tage ohne Anklage, ohne Zugang zu einem Gericht und unter sehr schlechten Haftbedingungen festgehalten werden.

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Iran: Suizid angekündigt

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Nazanin Zaghari-Ratcliffe / Ai Weiwei W4R 2016 portraits

Nazanin Zaghari-Ratcliffe, britisch-iranische Mitarbeiterin einer gemeinnützigen Stiftung, hat ihrem Ehemann aus dem Gefängnis einen Brief geschrieben, in dem sie erklärte, dass sie sich umbringen wolle. Am 13. November war sie kurzzeitig in den Hungerstreik getreten. Die gewaltlose politische Gefangene ist im September zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Amnesty International sorgt sich um ihre körperliche und psychische Gesundheit.

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Argentinien: Weiter willkürlich in Haft

Milagro Sala, ehrenamtliche Sprecherin der Organisation Tupac Amaru, befindet sich seit dem 16. Januar 2016 willkürlich in Haft. Die argentinische Regierung muss sie umgehend freilassen, wie es die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen in einer Entscheidung vom 27. Oktober angeordnet hat.

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Iran: MEDIZINISCHE VERSORGUNG VERWEIGERT

Die gewaltlose politische Gefangene Maryam Akbari Monfared, die eine 15-jährige Haftstrafe im Teheraner Evin-Gefängnis verbüßt, erhält keinen Zugang zu medizinischer Behandlung. Dies ist offenbar eine Vergeltungsmaßnahme der Behörden, weil sie eine offizielle Untersuchung der Massenhinrichtungen an politischen Gefangenen gefordert hat, die im Sommer 1988 im Iran stattfanden. Ihre Geschwister befanden sich unter den Getöteten. Iran: MEDIZINISCHE VERSORGUNG VERWEIGERT weiterlesen

Iran: DROHENDE ERBLINDUNG

Zeynab Jalalian: © privat
Zeynab Jalalian: © privat

Zeynab Jalalian verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe, zu der sie nach einem grob unfairen Verfahren verurteilt wurde. Sie gehört der kurdischen Minderheit im Iran an. Die Behörden verweigern ihr noch immer die fachärztliche Behandlung, die sie aufgrund einer sich verschlimmernden Augenerkrankung dringend benötigt. Sie läuft Gefahr, ihr Augenlicht zu verlieren. Iran: DROHENDE ERBLINDUNG weiterlesen

Iran: Professorin freigelassen

Dr. Homa Hoodfar: © privat
Dr. Homa Hoodfar: © privat

Dr. Homa Hoodfar, eine bekannte Anthropologie-Professorin, wurde am 26. September 2016 aus der Haft im Iran entlassen und in den Oman geflogen. Sie verfügt über die kanadische, iranische und irische Staatsbürgerschaft. Seit ihrer willkürlichen Festnahme am 6. Juni wurde sie im Evin-Gefängnis in Teheran in Einzelhaft gehalten. Iran: Professorin freigelassen weiterlesen

Kambodscha: Wohnrechtsaktivistin freigelassen

Am 22. August 2016 wurden zwei kambodschanische Wohnrechtsaktivistinnen wegen „Beleidigung eines Beamten“ schuldig gesprochen. Bov Sophea wurde inzwischen freigelassen. Tep Vanny ist jedoch weiterhin inhaftiert und muss im Zusammenhang mit einer Protestaktion im Jahr 2011 eine sechsmonatige Gefängnisstrafe ableisten. Außerdem wird wegen eines Protests im Jahr 2013 gegen sie ermittelt.

Tep Vanny und Bov Sophea, zwei Wohnrechtsaktivistinnen der Boeung-Kak-Gemeinde in der Hauptstadt Phnom Penh, wurden am Abend des 15. August festgenommen, als sie an einer friedlichen Mahnwache gegen mutmaßlich korrupte Staatsbedienstete teilnahmen. Die friedliche Versammlung fand im Rahmen der „Black Monday“-Kampagne statt. Mit der Kampagne protestieren Menschenrechtsverteidiger*innen gegen die Inhaftierung von vier Mitarbeiter*innen der Menschenrechtsorganisation ADHOC. Auch ein ehemaliger ADHOC-Mitarbeiter, der mittlerweile stellvertretender Generalsekretär des Nationalen Wahlkomitees ist, befindet sich in Haft.

Nach ihrer Festnahme am 15. August wurden Tep Vanny und Bov Sophea zwei Tage lang auf der Polizeiwache von Daun Penh festgehalten und dann am 17. August zur Vernehmung zum Stadtgericht von Phnom Penh gebracht. Später am selben Tag wurden sie unter Paragraf 495 des Strafgesetzbuchs wegen „Anstiftung zu einer Straftat“ angeklagt. Das Verfahren gegen sie wurde gemäß Artikel 47 der Strafprozessordnung an Ort und Stelle eingeleitet. Der Artikel sieht vor, dass unter bestimmten Umständen beschleunigte Verfahren gegen Angeklagte eingeleitet werden können.

Der Prozess gegen die beiden Aktivistinnen fand am 22. August statt. Zeug*innen berichteten, dass er nur 90 Minuten dauerte. Während der Urteilsverkündung wurde die Anklage gegen Bov Sophea und Tep Vanny in „Beleidigung eines Beamten“ nach Paragraf 502 des Strafgesetzbuches umgewandelt und die Frauen wurden zu je sechs Tagen Gefängnis verurteilt. Dies ist die zulässige Höchststrafe. Bov Sophea wurde noch am selben Tag aus der Haft entlassen. Tep Vanny wurde in das Gefängnis Prey Sar (CC2) zurückgebracht, da gegen sie wegen weiterer Anklagen im Zusammenhang mit einem Protest im Jahr 2013 ermittelt wird.

Tep Vanny und weitere Wohnrechtsaktivist*innen aus der früheren Region Boeung-Kak-See werden weiterhin von den Behörden ins Visier genommen. Am 19. September wurden Tep Vanny, Bo Chhorvy, Heng Mom und Kong Chantha in einem wieder aufgenommenen Prozess wegen „Beleidigung und Behinderung von Beamt*innen“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Verurteilung steht im Zusammenhang mit einem Protest, der vor fast fünf Jahren, im November 2011, stattgefunden hatte. Amnesty International wird den Fall weiterhin beobachten, und, falls notwendig, weitere Aktionen einleiten.

Es sind derzeit keine weiteren Aktionen des Eilaktionsnetzes erforderlich. Vielen Dank an alle, die Appelle geschrieben haben.

Iran: Sorge um Gesundheit

Dr. Homa Hoodfar: © privat
Dr. Homa Hoodfar: © privat

Der gesundheitliche Zustand der renommierten Anthropologie-Professorin Dr. Homa Hoodfar, die sich seit dem 6. Juni in Einzelhaft befindet, hat sich stark verschlechtert. Sie leidet an einer neurologischen Erkrankung, für die sie keine fachärztliche Behandlung erhält. Es wird befürchtet, dass die Behörden ihr auch die erforderlichen Medikamente verweigern.

Dr. Homa Hoodfar verfügt über die kanadische, iranische und irische Staatsbürgerschaft und ist eine renommierte Anthropologie-Professorin an der Concordia University in Montreal. Seit ihrer willkürlichen Festnahme am 6. Juni befindet sie sich als gewaltlose politische Gefangene im Evin-Gefängnis in Teheran in Einzelhaft. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Sie leidet an einer neurologischen Erkrankung namens Myasthenia gravis. Hierbei handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, die durch eine gestörte Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gekennzeichnet ist und sich unter Stress verschlimmert. Ihre Angehörigen durften sie nur ein Mal im August besuchen. Dabei erfuhren sie, dass Dr. Homa Hoodfar um den 8. August vorübergehend in das Gefängnis-Krankenhaus oder ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses verlegt worden war, weil sie große Schwierigkeiten beim Schlucken hatte – Symptom einer fortgeschrittenen Myasthenia gravis. Ihre Familie erfuhr nicht, was für eine Behandlung sie erhalten und wann man sie ins Gefängnis zurück gebracht hatte. Das Treffen dauerte nur zehn Minuten und fand in Anwesenheit von Beamt*innen des Geheimdienstes satt, sodass sie sich nicht frei unterhalten konnten. Die Angehörigen von Dr. Homa Hoodfar gaben an, dass sie verwirrt wirkte, ihre Hände zitterten und sie Probleme beim Laufen und Sprechen hatte.

Dr. Homa Hoodfar wird seit ihrer Festnahme das Recht auf rechtlichen Beistand verwehrt. Auch während ihrer Verhöre darf ihr Anwalt nicht anwesend sein. Die Justizbehörden weigern sich, ihrem Rechtsbeistand die Gerichtsakte zu ihrem Fall zu übermitteln und haben ihm lediglich mündlich mitgeteilt, dass sie wegen „Verbreitung von Propaganda gegen das System“ und „Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen“ angeklagt sei. Im Juli gewährte man ihr ein kurzes Treffen mit ihrem Anwalt, verweigerte ihr jedoch das Recht, sich mit ihm vertraulich zu unterhalten, da das Treffen in Anwesenheit von Geheimdienstbeamt*innen stattfand. Anschließend wurden alle Anträge ihres Anwalts, sie in Haft besuchen zu dürfen, abgelehnt. Auch seine wiederholten Anträge auf eine Freilassung gegen Kaution blieben erfolglos. Im August teilten die Justizbehörden ihrem Anwalt mit, dass er Dr. Homa Hoodfar nicht länger vertreten könne. Ihre Familie beauftragte anschließend einen neuen Rechtsbeistand, dem jedoch ebenfalls mitgeteilt wurde, dass er den Fall nicht übernehmen könne. Derzeit versucht ihre Familie, einen dritten Rechtsbeistand zu beauftragen. Der Fall von Dr. Homa Hoodfar ist der Abteilung 15 des Revolutionsgerichts in Teheran übergeben worden.

SCHREIBEN SIE BITTE

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Dr. Homa Hoodfar sofort und bedingungslos frei, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist, die nur aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit inhaftiert ist.
  • Sorgen Sie bitte dringend dafür, dass sie bis zu ihrer Freilassung Zugang zu fachärztlicher Behandlung außerhalb des Gefängnisses erhält. Zudem möchte ich Sie daran erinnern, dass eine Verweigerung der medizinischen Behandlung Folter und anderweitiger Misshandlung gleichkommen kann.
  • Stellen Sie bitte auch sicher, dass sie regelmäßigen Zugang zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl und zu ihrer Familie, einschließlich ihrer im Ausland lebenden Verwandten, hat. Zudem müssen ihr ausreichend Zeit und angemessene Räumlichkeiten bereitgestellt werden, um vertraulich mit ihrem Rechtsbeistand sprechen zu können. Bitte gewähren Sie ihr außerdem Zugang zu den konsularischen Vertreter*innen Kanadas und Irlands.

APPELLE AN

(bitte senden Sie Ihre Appelle über die Botschaft)
RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed ‚Ali Khamenei
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

KOPIEN AN
PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. Oktober 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformationen und schneller E-Mail-Appell

China: Anwalt in Haft

Der Rechtsanwalt Ren Quanniu wurde am 9. Juli unter dem Verdacht, „Streit angefangen und Ärger provoziert“ zu haben, festgenommen. Er hatte zuvor Sorge um seiner Mandantin Zhao Wei geäußert und Untersuchungen zu ihrer Inhaftierung beantragt. Er ist in Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden.

Ren Quanniu wurde am 9. Juli unter dem Verdacht, „Streit angefangen und Ärger provoziert“ zu haben, festgenommen. Diese Anklage wird häufig eingesetzt, um Aktivist*innen in China zu inhaftieren. Ren Quanniu hatte zuvor Sorge um seine Mandantin Zhao Wei geäußert. Zhao Wei war eine Mitarbeiterin des Menschenrechtsanwalts Li Heping, der sich ebenfalls in Haft befindet. Sie wurde am 10. Juli 2015 festgenommen und kam laut einem Beitrag, der auf der offiziellen Seite der Behörde für Öffentliche Sicherheit in Tianjin in einem sozialen Netzwerk am 7. Juli veröffentlicht wurde, gegen Kaution frei. Am 8. Juli erklärte die Behörde für Öffentliche Sicherheit in Zhengzhou dann in einem Eintrag im Internet, dass Ren Quanniu in Gewahrsam genommen worden sei und er am 9. Juli zugegeben habe, Gerüchte über die sexuelle Belästigung von Zhao Wei in Haft erfunden zu haben. Ren Quanniu traf sich am 11. Juli mit seinen Rechtsbeiständen in der Hafteinrichtung Nr. 3 in Zhengzhou. Laut seinen Rechtsbeiständen ist Ren Quanniu in guter psychischer Verfassung und hat abgestritten, die ihm vorgeworfene Straftat gestanden zu haben. Er beteuere seine Unschuld und versichere, dass alle seine Handlungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Anwalt von Zhao Wei uneingeschränkt rechtmäßig waren.

Die Ehefrau von Ren Quanniu, Hu Youling, wurde am 13. Juli von drei Polizist*innen zum Verhör mitgenommen. Sie kam noch am selben Tag wieder frei. Zhang Zunjie, einer der Anwälte von Ren Quanniu, gab an, dass sein Arbeitgeber ihm aufgetragen habe, den Fall niederzulegen. Chang Boyang, ein weiterer Anwalt von Ren Quanniu, berichtete, dass zwei Polizist*innen ihn am Morgen des 14. Juli abfingen, als er gerade sein Wohnhaus verließ. Sie wiesen ihn an, täglich bei ihnen anzurufen bzw. bei der Polizei vorstellig zu werden.

Der Grund für die Inhaftierung von Ren Quanniu sind breit diskutierte Berichte in sozialen Medien, denen zufolge Zhao Wei in Haft möglicherweise sexuell belästigt wurde. Am 27. Mai hatte Ren Quanniu im Netz eine Nachricht gepostet, in der er seine Sorge über diese Berichte zum Ausdruck brachte. Da die Behörden ihm Besuche bei Zhao Wei in Haft verweigerten, war es ihm nicht möglich, die Vorwürfe selbst zu überprüfen. Er erklärte, dass er einen offiziellen Antrag auf Einleitung von Untersuchungen zu der Situation von Zhao Wei in Haft bei der Staatsanwaltschaft in Tianjin eingereicht habe.

SCHREIBEN SIE BITTE

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Ren Quanniu sofort und bedingungslos frei, da er nur aufgrund seiner legitimen Arbeit als Anwalt inhaftiert ist.
  • Sorgen Sie bitte dafür, dass er bis zu seiner Freilassung vor Folter und anderweitigen Misshandlungen geschützt ist und Zugang zu Rechtsbeiständen seiner Wahl und zu seiner Familie erhält.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass die Familie und Rechtsbeistände von Ren Quanniu nicht drangsaliert und eingeschüchtert werden.
APPELLE AN

LEITER DER BEHÖRDE FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT IN ZHENGZHOU
Shen Qinghuai
Zhengzhou Shi Gong’an Ju
110 Erqilu 450000
Zhengzhou Shi
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)

LEITER DER HAFTEINRICHTUNG NR. 3 IN ZHENGZHOU
Zhao Yuexi
Guxu Lu, Guying Zhen, Huiji Qu
Zhengzhou Shi, 450000
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)

KOPIEN AN

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Guo Shengkun
No 14. Dong Chang’an Jie
Dongchengqu, Beijing 100741
VOLKSREPUBLIK CHINA
E-Mail: gabzfwz@mps.gov.cn

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S.E. Herr Bin ZHAO
Metternichgasse 4, 1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 68 16
E-Mail: chinaemb_at@mfa.gov.cn

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. August 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Seit Beginn beispielloser landesweiter Maßnahmen der chinesischen Behörden gegen Menschenrechtsverteidiger*innen und Aktivist*innen am 9. Juli 2015 sind bereits mindestens 248 Personen inhaftiert und verhört worden. Zu den Betroffenen gehören Menschenrechtsanwält*innen, deren Mitarbeiter*innen und sogar ihre Angehörigen. Mindestens 17 Anwält*innen oder Aktivist*innen sind inhaftiert worden. Gegen 13 von ihnen wurde Anklage wegen Straftaten erhoben, die die Sicherheit des Staates gefährden. Fast allen Inhaftierten werden rechtlicher Beistand und Familienbesuche verweigert.

Zhao Wei war eine der Assistent*innen des Menschenrechtsanwalts Li Heping aus Peking. Sie unterstützte Li Heping bei Fällen, in denen er Opfer von rechtswidrigen Zwangsräumungen und anderen Menschenrechtsverletzungen vertrat. Nachdem sie am 10. Juli in Gewahrsam genommen worden war, bestellte ihre Mutter Ren Quanniu als Anwalt. Er wurde Ende Juli 2015 mündlich von einem Mitarbeiter der Behörde für Öffentliche Sicherheit von Tianjin aus der Niederlassung im Bezirk Hexi darüber informiert, dass Zhao Wei unter dem Verdacht „Streit angefangen und Ärger provoziert“ zu haben, offiziell inhaftiert worden sei. Am 22. September 2015 teilte man ihm erneut nur mündlich mit, dass seine Mandantin „an einem bestimmten Ort unter häusliche Überwachung“ gestellt worden sei, weil man ihr „Anstiftung zum Umsturz der Regierung“ vorwerfe. Während ihrer Inhaftierung lehnten die Behörden alle Anträge von Ren Quanniu, sie zu besuchen, ab. Als Begründung gaben sie an, dass sie in einen Fall verwickelt sei, in dem es um die „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ gehe und ein Besuch von ihm die Ermittlungen stören würde. Erst am 11. Januar 2016 informierten Angehörige der Behörde für Öffentliche Sicherheit die Mutter von Zhao Wei und Ren Quanniu darüber, dass sie in der Hafteinrichtung Nr.1 in Tianjin festgehalten wird.

Am 28. Januar ging Ren Quanniu zur Hafteinrichtung Nr. 1, um seine Mandantin zu besuchen. Man sagte ihm jedoch, Zhao Wei habe einen anderen Anwalt beauftragt und er sei in der Folge nicht länger für ihre Vertretung zuständig. Die Mutter von Zhao Wei streitet dies ab. Ren Quanniu hatte zudem herausgefunden, dass nun die Behörde für Öffentliche Sicherheit in Tianjin den Fall übernommen hatte. Er reichte noch am selben Tag Klage gegen diese Behörde wegen Behinderung seiner Tätigkeit als Anwalt von Zhao Wei ein. Vor seiner Festnahme hatte er darauf noch keine Antwort der Staatsanwaltschaft erhalten.

Erkenntnissen von Amnesty International zufolge ist es in China üblich, dass die Behörden inhaftierten Menschenrechtsverteidiger*innen andere Rechtsbeistände zuteilen. Man zwingt sie, die von ihnen bestellten Anwält*innen zu entlassen, oder behauptet, sie hätten dies getan. Anschließend werden sie gezwungen, mit den von den Behörden bestellten Rechtsbeiständen zu arbeiten. Manchmal erhalten sie gar keinen Zugang zu rechtlichem Beistand.

Am 8. Juli postete das Ministerium für Öffentliche Sicherheit einen Artikel mit dem Titel „Anwälte, die Gerüchte in die Welt setzen, müssen bestraft werden“ auf seiner Webseite. Erst einen Tag zuvor war bekanntgegeben worden, dass Zhao Wei gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde. Nach dem 7. Juli sind einige wenige Beiträge auf der Seite von Zhao Wei in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht worden. In einer Nachricht schrieb sie, dass sie schockiert darüber sei, dass Ren Quanniu das Gerücht gestreut hat, sie sei sexuell belästigt worden. Der Verbleib von Zhao Wei ist jedoch noch immer nicht bekannt. In einem Online-Beitrag dankte sie ihren Unterstützer*innen und den „zahllosen hilfsbereiten und ehrlichen uniformierten Polizeikräften“, die an ihrem Fall mitgearbeitet haben. Dies ließ Bedenken laut werden, die Nachricht könne ihr diktiert oder von Polizist*innen selbst geschrieben worden sein. Am 10. Juli sprach Zhao Wei telefonisch mit der Zeitung South China Morning Post (SCMP) und wiederholte die im Internet erschienenen Nachrichten. Die SCMP erklärte jedoch, dass sie den Aufenthaltsort von Zhao Wei nicht ausfindig machen konnten und auch nicht wissen, ob sie während des Interviews unter Beobachtung stand. Die Bitte um ein persönliches Interview habe sie abgelehnt. Der Ehemann von Zhao Wei, der seit ihrer vermeintlichen Freilassung weder mit ihr reden konnte, noch sie gesehen hat, sagte der SCMP gegenüber, dass er nicht glaube, dass seine Frau die Verfasserin dieser Beiträge ist. Er geht davon aus, dass man sie gezwungen hat, sie zu schreiben. Am 13. Juli veröffentlichte Ji Huiyun, die sich als eine der Verteidiger*innen von Zhao Wei ausgab, über ein soziales Netzwerk ein Foto eines handgeschriebenen Briefes. Darin gab Zhao Wei ihr die Erlaubnis, wegen Diffamierung im Zusammenhang mit der Verbreitung falscher Berichte über ihre sexuelle Belästigung in Haft gegen Ren Quanniu vorzugehen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging Chinese authorities to immediately and unconditionally release Ren Quanniu, who has been detained for carrying out his legitimate professional activities as a lawyer
  • Urging them to ensure that while in detention Ren Quanniu has regular, unrestricted access to family and lawyers of his choice, and that he is not subjected to torture or other ill-treatment.
  • Urging them to ensure that Ren Quanniu’s family and lawyers are free from any harassment and intimidation.