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Nordirland: „Groteskes Spektakel“ um Schwangerschaftsabbruch

Als Reaktion auf ein weiteres „Abtreibungspillen-Verfahren“, das Anfang April in Belfast verhandelt wurde – eine Frau wird angeklagt, ihrer Tochter Pillen für eine Fehlgeburt gegeben zu haben – sagte Patrick Corrigan, Direktor von Amnesty International Nordirland: „Und wieder einmal haben wir ein groteskes Spektakel der Macht von Nordirlands Strafjustizsystem gegen eine Frau, die nichts anderes wollte als freien Zugang zu einer Dienstleistung des NHS [National Health Service, das staatliche Gesundheitssystem in GB und Nordirland], die in jedem anderen Teil Großbritanniens verfügbar ist. Die Kriminalisierung der Frauen in Nordirland muss aufhören. Reproduktive Gesundheitsfürsorge darf kein Fall  für das Strafrecht mehr sein, sondern ein Anliegen der Volksgesundheit und der Menschenrechte. Schwangerschaftsabbruch sollte eine Angelegenheit zwischen Frauen und Ärzt*innen sein, nicht eine von Gerichten. Nordirlands Gesetze zu Schwangerschaftsabbruch müssen geändert werden, um sie auf internationalen Standard zu bringen. Schwangerschaftsabbruch muss entkriminalisiert werden, und Frauen sollten im Falle tödlicher fetaler Anomalien, Vergewaltigung und Inzest freien Zugang zu Abtreibung haben.“

Michelle Beyers von Amnesty International war im Strafgerichtshof Belfast, um die Verlesung der Anklage zu beobachten, die bis zum 27. April vertagt wurde. Eine Frau wird beschuldigt, in zwei Fällen Pillen besorgt zu haben, die für Schwangerschaftsabbrüche benutzt werden. Ihr Name wird nicht enthüllt, um die Identität ihrer Tochter geheim zu halten. Die angeblichen Straftaten sollen 2013 in Belfast begangen worden sein.

Anfang dieser Woche erhielt eine 21-jährige Nordirin eine dreimonatige Bewährungsstrafe, nachdem sie sich in zwei Anklagen als schuldig bekannte (und zwar, durch Gift bei sich selbst einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt zu haben und jemanden mit Gift versorgt zu haben, um einen Abbruch herbeizuführen).

Zugelassene Medikamente für Schwangerschaftsabbruch werden international als sichere Möglichkeit empfohlen, eine Schwangerschaft im ersten Trimester zu beenden. Mifepriston und Misoprostol stehen auf der Liste unentbehrlicher Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation. Jedoch führt die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch dazu, dass Frauen und Mädchen diese Pillen ohne wirkungsvolle medizinische Überwachung einnehmen, was zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen führen könnte.

„Eine Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch braucht, ist keine Kriminelle und sollte nicht als solche behandelt werden. Hier in der Republik droht Frauen eine vierzehnjährige Gefängnisstrafe, falls sie einen Schwangerschaftsabbruch haben, ohne sich in Lebensgefahr zu befinden. Dieser Fall beweist wieder einmal, dass die Kriminalisierung Frauen nicht davon abhält, Schwangerschaftsabbrüche herbeizuführen. Anstatt Frauen dafür zu bestrafen, die Gesundheitsfürsorge in Anspruch zu nehmen, die sie brauchen, sollte die neue Regierung unsere Abtreibungsgesetze reformieren, um sie auf den internationalen Standard der Menschenrechte zu bringen. Das irische Volk unterstützt diese Ansicht. 71% fordern die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch in der kürzlich durchgeführten Amnesty International/Rotes Kreuz – Umfrage. Die neue Regierung darf den Frauen nicht den Rücken zudrehen, ebenso wenig der irischen Bevölkerung, die unsere Forderung nach Veränderung überwiegend unterstützt“, sagte Colm O´Gorman, Geschäftsführer von Amnesty International Irland.

Northern Ireland: “Grotesque Spectacle” of Women Before Courts Must End, as Second ‘Abortion Pills’ Trial Starts

A woman seeking an abortion is not a criminal

 

Irland: Amnesty-Kampagne zu Schwangerschaftsabbruch wirkt

„Feiern wir die irische Bevölkerung dafür, dass sie Forderungen für das Wohl der Frauen stellen!“, erklärte Amnesty International zum St. Patrick´s Day 2016, um den Standpunkt der Ir*innen zum Thema Schwangerschaftsabbruch genauer zu beleuchten. Irland: Amnesty-Kampagne zu Schwangerschaftsabbruch wirkt weiterlesen

Lateinamerika: Der Staat fördert Gewalt gegen Frauen

Ein neuer Amnesty-Bericht kritisiert die Diskriminierung von Frauen und Gewalt gegen sie, die von Staaten in Lateinamerika und der Karibik mitverursacht sind, weil ihnen sexuelle und reproduktive Rechte verwehrt werden. Lateinamerika: Der Staat fördert Gewalt gegen Frauen weiterlesen

Chile: Totalverbot von Schwangerschaftsabbruch verletzt Frauenrechte

Chile ist eines der wenigen Länder auf der Welt, das einen Schwangerschaftsabbruch unter allen Umständen verbietet. Doch nun diskutiert der chilenische Kongress eine Änderung dieser frauenrechtsverachtenden Gesetzgebung.  Chile: Totalverbot von Schwangerschaftsabbruch verletzt Frauenrechte weiterlesen

El Salvador: „Begnadigt“ und frei

Guadalupe, eine der 17 Frauen, die in El Salvador nach Fehlgeburten wegen Schwangerschaftsabbruchs zu Haftstrafen verurteilt wurden, ist von der gesetzgebenden Versammlung mit knapper Mehrheit „begnadigt“ worden und inzwischen in Freiheit.

Am 21. Januar stimmte die gesetzgebende Versammlung in einer erneuten Abstimmung mit 43 von 84 Stimmen für die Begnadigung von Guadalupe. In der ersten Abstimmung am 16. Januar war die Begnadigung noch abgelehnt worden.

Guadalupe wurde 2007 als 18-Jährige zu 30 Jahren Haft verurteilt, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. Ihr wurde die vorsätzliche Beendigung der Schwangerschaft vorgeworfen, und sie wurde wegen Mordes angeklagt. Schwangerschaftsabbruch ist in El Salvador unter allen Umständen verboten und strafbar.

EL SALVADOR: Das absolute Verbot von Schwangerschaftsabbruch tötet Frauen und Mädchen

Jedes Jahr wird tausenden von Frauen und Mädchen das Recht verweigert, eine Schwangerschaft zu beenden, auch wenn es sich um ein zehnjähriges Mädchen handelt, das nach einer Vergewaltigung schwanger ist. Frauen laufen sogar nach einer Fehlgeburt Gefahr, wegen Mordes zu 50 Jahren Haft verurteilt zu werden, weil man ihnen einen heimlichen Schwangerschaftsabbruch unterstellt. EL SALVADOR: Das absolute Verbot von Schwangerschaftsabbruch tötet Frauen und Mädchen weiterlesen

Chile verspricht, das Totalverbot von Schwangerschaftsabbruch zu lockern

Chile kündigte im Juni an, Schwangerschaftsabbrüche künftig zu erlauben, wenn das Leben der Frau in Gefahr, der Fötus nicht lebensfähig und die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist. Chile verspricht, das Totalverbot von Schwangerschaftsabbruch zu lockern weiterlesen