Schlagwort-Archive: MenschenrechtsverteidigerInnen

Urgent Action Ägypten

© by Khaled Desouki/AFP/Getty Images
Menschenrechtsverteidiger*innen bereits 2012 vor Gericht © by Khaled Desouki/AFP/Getty Images

In Ägypten gehen die Behörden auf beispiellose Weise gegen Menschenrechtsorganisationen vor. Im Rahmen von anhaltenden strafrechtlichen Ermittlungen zu der Registrierung und Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen werden Menschenrechtsverteidiger*innen befragt und daran gehindert, ins Ausland zu reisen.

Nun wurde das Gerichtsverfahren auf drei weitere Menschenrechtsorganisationen ausgeweitet.

Am 20. April nannte ein Gericht in Kairo in einem Fall gegen ägyptische Menschenrechtsverteidiger*innen und deren Familien sieben neue Angeklagte, darunter die Vorsitzenden von drei Menschenrechtsgruppen. Der nächste Gerichtstermin soll am 23. Mai stattfinden.

Bei den neu genannten Angeklagten handelt es sich um: Bahey el-Din Hassan, Vorsitzender des Cairo Institute for Human Rights („Kairoer Instituts für Menschenrechtsstudien“, CIHRS) zwei seiner Angehörigen und zwei Personen, die für das CIHRS gearbeitet haben; Mostafa al-Hassan, Vorsitzender des Anwaltsbüros Hisham Mubaak Law Center und Abdel Hafez Tayel, Vorsitzender der Organisation Egyptian Center for the Right to Education („Ägyptischen Zentrums für das Recht auf Bildung“).

Sie stehen nun gemeinsam mit Hossam Bahgat, Investigativjournalist und Gründer der Menschenrechtsgruppe Egyptian Initiative for Personal Rights (Ägyptische Initiative für persönliche Rechte), und Gamal Eid, Gründer und Leiter der Organisation Arabic Network for Human Rights Information (Arabisches Netzwerk für Menschenrechtsinformationen), sowie dessen Frau und Tochter vor Gericht.

Das Strafgericht überprüft eine gerichtliche Anordnung zum Einfrieren der Geldmittel der Angeklagten, die im Zuge eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens zur Finanzierung von NGOs ergangen war. Die ägyptischen Behörden gehen derzeit auf beispiellose Weise gegen Menschenrechtsorganisationen vor, und Menschenrechtsverteidiger*innen befürchten, unter repressiven Gesetzen zu ausländischer Finanzierung zu Haftstrafen von bis zu 25 Jahren angeklagt und verurteilt zu werden.

Das Gerichtsverfahren findet vor dem Hintergrund zunehmender Ermittlungen der Behörden gegen Menschenrechtsgruppen statt. Die Mitarbeiter*innen der Organisationen werden befragt und zum Teil daran gehindert, ins Ausland zu reisen. Die Regierung hat zudem die Schließung der bekannten Menschenrechtsorganisation El Nadeem Center for Rehabilitation of Victims of Violence (El-Nadeem-Zentrum für die Rehabilitation von Gewaltopfern) angeordnet.

ONLINE-PETITION, HINTERGRUNDINFORMATIONEN, MUSTERBRIEFE

Bitte verschicken Sie Ihre Appelle bis zum 3. Juni 2016. Bitte schicken Sie auch eine Kopie an die Botschaft der arabischen Republik Ägypten:

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN

S.E. Herr Khaled Abdelrahman Abdellatif Shamaa
Hohe Warte 50 – 54, 1190 Wien
Fax:(+43 / 1) 370 81 04 – 27
E-Mail: 
egyptembassyvienna@egyptembassyvienna.at

 

 

 

Afghanistan: Das riskante Leben von Frauenrechtlerinnen

Frauen leben in Afghanistan gefährlich – umso mehr, wenn sie sich für Frauenrechte engagieren. Die Gewalt reicht von Drohungen über sexuelle Übergriffe bis hin zum Mord. Zum Internationalen Tag der Menschenrechtsverteidigerinnen am 29. November appelliert Amnesty International an Präsident Ghani. Afghanistan: Das riskante Leben von Frauenrechtlerinnen weiterlesen

Protestaktion bei der iranischen Botschaft zum iranischen Student_innentag am 7. Dezember

gegen die Missachtung der Menschen/Frauenrechte,  für die Freilassung von Gewissensgefangenen, gegen die Diskriminierung von Frauen, gegen Folter und Todesstrafe, gegen die Verfolgung von Menschenrechtsaktivist_innen, gegen Studienverbote, für Meinungsfreiheit ….

Protestaktion bei der iranischen Botschaft zum iranischen Student_innentag am 7. Dezember weiterlesen

D. R. KONGO: MENSCHENRECHTSAKTIVISTINNEN BEDROHT

Menschenrechtsaktivistinnen haben in der Demokratischen Republik Kongo, vor allem in den östlichen Provinzen, in denen die Zivilbevölkerung seit fast zwei Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikte leidet, unter widrigsten Umständen auf bemerkenswerte Weise Opfer von Menschenrechtsverletzungen unterstützt. Diese Arbeit führt dazu, dass sie sowohl Bedrohungen aufgrund ihrer Arbeit als Verteidigerinnen der Menschenrechte als auch Bedrohungen aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt sind.

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Zwei afghanischen Aktivistinnen erzählen von ihrer Arbeit

Für den Schutz und die Wahrung von Frauenrechten kämpfen in Afghanistan Frauen an vorderster Front. Unterstützen Sie afghanische Frauen im Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt.


Aktivistinnen, Journalistinnen, Lehrerinnen, Politikerinnen und medizinisches Personal halten Lese- und Schreibkurse für Frauen, organisieren Frauenhäuser und schaffen Bewusstsein für die Gefahren von Zwangsheirat und frühe Verheiratung von Frauen bzw. Mädchen.

Viele Frauenrechtlerinnen in Afghanistan wurden aufgrund ihrer Aktivitäten ermordet oder bedroht, einige flüchteten. Sie haben mit Einschüchterungen und Angriffen durch einflussreiche konservative gesellschaftliche Gruppen, denen auch Regierungsmitglieder, Taliban und bewaffnete Oppositionsgruppen angehören, zu kämpfen. Sie halten die Arbeit der Frauenrechtlerinnen als Aktivitäten gegen die Kultur, Religion und sozialen Normen von Frauen. Aktivistinnen wurden auch von Familienangehörigen, denen ihre Arbeit unangenehm war, eingeschüchtert oder angegriffen.

AI sprach mit vier Aktivistinnen über die Risiken beim Einsatz für die Rechte von Frauen und Mädchen. Die Geschichte von Dr. D. und Aziza werden hier ausführlich widergegeben.

Parween, Direktorin einer Grundschule in der Provinz Laghman, sollte eine Mädchenschule leiten. Unbekannte Männer bedrohten und warnten sie, ihre Arbeit zu beenden. Schließlich wurde ihr Sohn Hamayoon entführt und ermordet.

Shala ist Frauenrechtlerin und Lehrerin in der Provinz Helmand, die vor allem durch Taliban kontrolliert und beeinflusst wird. Sie kümmert sich vor allem um Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, Selbstmord begehen oder sich selbst verbrennen wollten. Shala wird durch Anrufe bedroht, am Weg zur Arbeit wird sie verfolgt.

Dr. D. arbeitet als Gynäkologin und kümmert sich vor allem um Frauen, die missbraucht oder vergewaltigt worden sind oder häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Für AI erzählt sie, wie ihre Familie, aufgrund ihrer Arbeit Zielscheibe der Taliban wurde.

„Alles begann 2007, als ich in der Kunar Provinz lebte. Ich arbeitete in einem Krankenhaus, das häufig Abtreibungen bei Mädchen, die nach einer Vergewaltigung durch ihre männlichen Verwandten schwanger wurden, durchführte. Sie kamen in meine Klinik weil sie abtreiben mussten [andererseits hätten Verwandte oder Angehörige ihrer Gemeinschaft einen Ehrenmord an ihr begangen]. Ich erhielt nachts Drohbriefe und Anrufe von den Taliban. Sie warnten, dass sie mich und meine Familie aufgrund meiner Arbeit töten würden.

Zwei Jahre später, im März 2009, hörte ich am Abend eine Explosion und ich eilte hinaus. Meine Kinder spielten gerade im vorderen Hof. Mein 11-jähriger Sohn lag schwer verletzt am Boden. Ich war geschockt und erinnere mich nicht mehr, was dann passiert ist.

Mein Sohn brauchte fast ein Jahr lang medizinische Behandlung und wir waren sehr beschäftigt, ihn von Krankenhaus zu Krankenhaus zu bringen. Der Unfall traf ihn schwer. Er wurde psychisch krank. Er ist immer müde und depressiv, ständig fragt er, warum dieser Unfall ihm passiert ist.

Sechs Monate später wurde mein 22-jähriger Bruder vor unserem Haus bei einem Granatangriff getötet. Sie warfen eine Granate nach ihm, als er zu unserem Haus ging. Wir haben in unserem Leben sehr gelitten.

Wir berichteten die Drohungen der Regierung, aber niemand hörte zu und wir waren sehr entmutigt. Sie haben bis jetzt nichts getan. Ich habe Gerechtigkeit gesucht und Behörden ersucht, die Täter zu finden, aber sie ignorierten uns und haben nichts gemacht.

Im Jahr 2009, nachdem mein Sohn mit einer Granate verletzt wurde, zogen wir von Kunar weg. Inzwischen habe ich aufgehört, Abtreibungen durchzuführen und versuche möglichst unauffällig zu arbeiten. Niemand kennt meine Adresse. Wenn sie etwas über mich wissen würden, würden sie mich wieder bedrohen.

Die Situation ist hier für Frauen sehr schlecht. Frauen haben Schwierigkeiten, zur Arbeit zu gehen und Mädchen werden daran gehindert, zur Schule zu gehen. Es gibt zu viele Fälle von Gewalt gegen Frauen. Ich habe selber 30 bis 50 in einem Monat gesehen. Wenn ich [den Frauen] sage, sie sollen ihre Fälle der Polizei berichten, lehnen sie ab, weil sich ihre Familie dafür schämen würde und sie sehr schlecht behandeln würde. Sie gehen nicht zur Polizei und tolerieren Gewalt und Belästigung.

Wir müssen unseren Leuten helfen, besonders den Frauen, sie brauchen uns und wir müssen dem Land und den Leuten dienen. Ich kann nicht zu Hause sitzen und nichts tun, das liegt nicht in meiner Natur.“

Aziza Khair Andish, aktiv in der Zivilgesellschaft und Menschenrechtsaktivistin aus Herat-Stadt, arbeitet gegen Extremismus vor allem in Universitäten. Sie schildert für AI ihre Hoffnungen und Ängste für die Zukunft, nachdem die afghanische Regierung eine Übereinkunft mit den Taliban anstrebt.

„Arbeiten ist für Frauen in einer traditionellen, männerdominierten Gesellschaft wie in Herat nicht einfach. Die Atmosphäre ist für Frauen am Arbeitsplatz, vor allem in Ämtern und Behörden, sehr schwierig. Zum Beispiel werden Frauen in Führungspositionen von männlichen Kollegen nicht als Chefin akzeptiert und ständig ihre Autorität in Frage gestellt; Anstatt sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, müssen diese Frauen sich damit herumschlagen, ihre Autorität durchzusetzen.

In Herat gibt es außerdem noch einige Herausforderungen mit Extremismus. Extremisten behindern die Arbeit der Zivilgesellschaft, aber bis jetzt hat sich diese der Herausforderung erfolgreich gestellt. Unermüdlich wurde daran gearbeitet, den Extremismus auszurotten, gleichzeitig wurden Netzwerke der Zivilgesellschaft und Menschenrechte beworben. Im letzten Jahr war es der Zivilgesellschaft und den Menschenrechtsnetzwerken möglich, eine Koordinationsstelle einzurichten. Das Ergebnis war die Gründung von mehr Medienunternehmen. Diese Medien spielten eine wichtige Rolle bei der Bewerbung von Menschenrechten und bei der Stärkung der Zivilgesellschaft.

Meistens gehen wir an Universitäten, um die Menschenrechte unter den Studierenden bekannt zu machen, denn Extremisten haben ihre Wurzeln an den Universitäten wo sie Studierende gegen die Zivilgesellschaft und die Werte der Menschenrechte provozieren. Normalerweise involvieren wir religiöse Führer in unsere Programme, da sie unsere Arbeit einfach rechtfertigen können. Sie haben ein besseres Islamwissen und können leicht gegenüber Extremisten argumentieren.

Manchmal organisieren wir eine offene Diskussion und laden libe<<rale religiöse Gelehrte, Demokraten und Intellektuelle ein, um Menschenrechtsthemen zu diskutieren. Sie können dann frei über ihre Ansichten sprechen. Wir laden auch einige traditionelle Mullahs ein, um die Diskussion offener zu gestalten und ihre Meinungen zu hören. Wir waren bei der Förderung von Toleranz, was auch Extremisten zum Anhören oppositioneller Meinungen führte, erfolgreich.

Kürzlich wollte der junge Sänger Shafeeq Murid ein Konzert in Herat Stadt aufführen, aber ein radikaler Mullah stellte sich dagegen und hat es nicht erlaubt. Seither haben wir unseren Kampf gegen Fundamentalismus in Herat intensiviert und auf eine bestimmte Weise waren wir erfolgreich: Der Mullah hat die Stadt verlassen. Nachdem er gegangen war, hörte all die Propaganda gegen Menschenrechte und gegen die Zivilgesellschaft auf. Das war ein großer Erfolg für die MenschenrechtsaktivistInnen und wir werden unsere Arbeit fortsetzen, um Fundamentalismus ganz auszuräumen.

Wir akzeptieren keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, Transparenz oder einen Frieden der nicht tragbar ist. Wir wissen, dass es im Friedensprozess keine Transparenz gibt und wir wissen nicht, was sich im Hintergrund abspielt. Manchmal hören wir von Taliban-Websites über den Friedensprozess.

Ich persönlich, gemeinsam mit anderen MenschenrechtsaktivistInnen und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, versuche optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wir tun unser Bestes, um die Vorteile der momentanen Situation zu nutzen. Unser Ziel ist ein besseres Leben und wenn wir unsere Hoffnung verlieren und zu arbeiten aufhören, verschlechtert sich unsere Situation vielleicht.“

Werden Sie aktiv und schreiben Sie an Präsident Karzai
E-Mail: afg.emb.vie@chello.at

President Hamid Karzai

 

Gul Khana Palace
Presidential Palace
Kabul
Afghanistan
Dear Ambassador S.E. Hr. Ayoob M. Erfani,
Please forward this e-mail to President Hamid Karzai.

Dear President Karzai,

However, Afghan women human rights defenders frequently face intimidation and attacks, particularly by powerful elements in society, some of them members of the government, others allied with the Taliban and other armed opposition groups. In many cases, these brave women face attacks from within their own community or their family, or from local officials and religious leaders, who may be politically opposed or embarrassed by their outspokenness. Some have fled the country while others have been killed for raising their voice.

On 13 July 2012 Hanifa Safi, the head of the Department for Women’s Affairs in Laghman province, was killed and her family injured by a remote-controlled explosive device. Later in the year, on 10 December, her successor, Nadia Sidiqi, was killed by unidentified gunmen while on her way to work. Despite investigations into both killings, no one has been brought to trial.

Ensure that threats and attacks on women human rights defenders are swiftly and fully investigated and effective remedies provided.

Require all authorities to fully implement the Elimination of Violence against Women Law and other relevant legislation aimed at protecting and promoting women’s human rights.

Yours sincerely

Kolumbien: Morddrohungen gegen Ayda Quilcué und andere MenschenrechtsverteidigerInnen

Am 20. Juni erhielten MenschenrechtsverteidigerInnen Morddrohungen, die sich gegen verschiedene Nichtregierungsorganisationen in Kolumbien richteten. Alle Mitglieder dieser Organisationen schweben in Gefahr. Kolumbien: Morddrohungen gegen Ayda Quilcué und andere MenschenrechtsverteidigerInnen weiterlesen

Naher Osten: Frauen kämpfen für den politischen Wandel

2011 war das Jahr, in dem in Nordafrika und im Nahen Osten Millionen Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, insbesondere Junge und Frauen, die Straßen mit der Forderung nach Wandel überschwemmt haben.  Oft unter gefährlichen Bedingungen und mit dem Risiko, von staatlicher Seite verfolgt, verhaftet und getötet zu werden. Naher Osten: Frauen kämpfen für den politischen Wandel weiterlesen