USA: ASYLSUCHENDE INHAFTIERT

Der dreijährige Josué in Gewahrsam: © privat

Vier Kinder und ihre Mütter werden seit über 500 Tagen im US-Bundesstaat Pennsylvania in einer Hafteinrichtung der Einwanderungs- und Zollbehörde festgehalten. Die Familien hatten in den USA Asyl beantragt, nachdem sie ihre Heimatländer wegen der dort herrschenden Gewalt verlassen mussten. Ihre Anträge auf rechtmäßigen und dauerhaften Aufenthalt in den USA werden derzeit bearbeitet.

Antonio (7 Jahre), Carlos (4 Jahre), Josué (3 Jahre), Michael (16 Jahre) und ihre Mütter Marlene, Lorena, Teresa und Maribel – alle Namen zum Schutz der betroffenen Personen geändert – werden seit über 500 Tagen im US- Bundesstaat Pennsylvania in der Hafteinrichtung Berks County Residential Center der Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement – ICE) festgehalten. Die Familien haben Asylanträge in den USA gestellt, nachdem sie ihre Heimatländer Honduras und El Salvador wegen traumatischer und lebensbedrohender Vorfälle verlassen mussten, darunter Entführungsdrohungen und schwere körperliche und sexualisierte Gewalt. In der Hafteinrichtung Berks County Residential Center befinden sich derzeit insgesamt 34 Familien, viele von ihnen aus dem nördlichen Dreieck Mittelamerikas (El Salvador, Honduras und Guatemala) – eine Region, in der Amnesty International äußerst hohe Gewaltraten dokumentiert hat.

Die vier Familien berichten über eine Verschlechterung ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit seit ihrer Inhaftierung. Josué leidet an starken Allergien, und bei seiner Mutter wurden Depressionen sowie eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt, die sich laut einer unabhängigen psychologischen Untersuchung unter anderem durch die Inhaftierung verschlechtert haben. Michael wurde von einem unabhängigen Arzt mit Depressionen diagnostiziert. Seine Mutter hat einen Knoten in der Brust, der womöglich operiert werden muss.

Ende 2016 gewährten die Behörden allen vier Kindern den sogenannten „Special Immigrant Juvenile Status“ (SIJS), einen Sonderstatus für jugendliche Migrant*innen, und ihre Anträge auf rechtmäßigen und dauerhaften Aufenthalt in den USA werden derzeit bearbeitet. Dieser Sonderstatus wurde ihnen zugesprochen, nachdem ein Gericht urteilte, dass eine Rückkehr der Minderjährigen in ihre Heimatländer dem Kindeswohl zuwiderlaufen würde. Laut Gesetz bedeutet die Gewährung des Sonderstatus SIJS, dass der betreffende Minderjährige einen rechtmäßigen Aufenthaltsstatus beantragen kann und in dieser Zeit unter Bewährung steht. Im Januar 2017 erhielten drei der Kinder ihre Arbeitserlaubnisbescheinigung; die vierte steht noch aus. Ein Berufungsgericht (Court of Appeals for the Third Circuit) hat im Fall aller vier Mütter die Abschiebung so lange ausgesetzt, bis ihre Rechtsmittelverfahren vor einem Bundesgericht abgeschlossen sind. Alle vier Familien verfügen zudem über Bürgen in den USA, die bereit sind, die Familien aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass sie vor Gericht erscheinen. Trotz der Bürgen, des Sonderstatus der Minderjährigen, überzeugender Gründe für die Gewährung von Asyl bzw. Schutz und ihrer sich verschlechternden psychischen und körperlichen Gesundheit weigert sich die Einwanderungs- und Zollbehörde, die vier Kinder und ihre Mütter aus der Haft zu entlassen. Die anhaltende Inhaftierung der Familien kann weder unter US-amerikanischem Recht noch unter dem Völkerrecht gerechtfertigt werden.

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  • Bitte lassen Sie umgehend alle derzeit im Berks County Residential Center inhaftierten Minderjährigen frei, denen „Special Immigrant Juvenile Status“ (SIJS) zugesprochen wurde, sowie auch deren Mütter.
  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Inhaftierten gemäß ihren Wünschen jede nötige medizinische Versorgung erhalten.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass die Familien regelmäßigen Kontakt mit anderen Familienangehörigen und Rechtsbeiständen ihrer Wahl aufnehmen dürfen, solange sie sich noch in Haft befinden.

APPELLE AN

VERTRETERIN DER EINWANDERUNGSBEHÖRDE
Jennifer Ritchey
Immigrations and Customs Enforcement
US Department of Homeland Security
York Field Office, 2400 Concord Rd.
York, PA, 17402
USA
(Anrede: Dear Ms. Ritchey /
Sehr geehrte Frau Ritchey)
E-Mail: philadelphia.outreach@ice.dhs.gov
Twitter: @ICEgov

STELLVERTRETENDER DIREKTOR DER EINWANDERUNGSBEHÖRDE IN PHILADELPHIA
David O’Neil
Philadelphia Field Office, 1600 Callowhill St.
6th Floor, Philadelphia, PA, 19130
USA
(Anrede: Dear Mr. O’Neil / Sehr geehrter Herr O’Neil)
E-Mail: philadelphia.outreach@ice.dhs.gov
Twitter: @ICEgov

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herr Eugene YOUNG
Boltzmanngasse 16
1090 Wien
Fax: (+43 / 1) 310 06 82
E-Mail: ViennaUSEmbassy(at)state.gov

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. April 2017 keine Appelle mehr zu verschicken

Ein Gedanke zu „USA: ASYLSUCHENDE INHAFTIERT“

  1. ich möchte sie dingend ersuchen, alle im Berks Country Residential Center inhaftierten Jugendlichen freizulassen.

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