Sudan: Studentin zu Prügelstrafe verurteilt

Ferdous Al Toum wurde wegen „anstößiger Kleidung zu 20 Peitschenhieben und einer Geldstrafe verurteilt.

Die Polizei für öffentliche Ordnung (Public Order Police, POP) hat am 25. Juni zwölf christliche Studentinnen festgenommen. Gegen zehn von ihnen wurde gemäß Artikel 152 des sudanesischen Strafgesetzbuchs von 1991 wegen “anstößiger Kleidung” Anklage erhoben, während die anderen beiden freigelassen wurden.
Die Fälle der zehn Studentinnen wurden von Juli bis August 2015 vor Gericht verhandelt. In acht dieser Fälle erfolgte ein Freispruch bzw. wurde eine Geldstrafe verhängt.

Fardous Al-Toum, eine der zehn festgenommenen Frauen wurde bei der Anhörung vom Richter abermals als anstößig bekleidet befunden und zu einer Geldstrafe verurteilt. © Babil Kush
Fardous Al-Toum © Babil Kush

Ferdous Al Toum wurde zu 20 Peitschenhieben und einer Geldstrafe verurteilt. Sie hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Rehab Omer Kakoum wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und hat ebenfalls ein Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Die Verfahren gegen acht der zehn christlichen Studentinnen, die wegen «anstössiger Kleidung» angeklagt waren, sind abgeschlossen.

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Ferdous Al Toum wurde am 16. August zu 20 Peitschenhieben und einer Geldstrafe von 500 sudanesischen Pfund (etwa 70 Euro) verurteilt. Am 14. August 2015 wurde Rehab Omer Kakoum gemäss Paragraf 152 des Strafgesetzbuches zu einer Geldstrafe von 500 sudanesischen Pfund verurteilt. Die beiden Studentinnen haben durch ihre Rechtsbeistände Rechtsmittel gegen die Urteile eingelegt. Für die Rechtsmittelverfahren wurde noch kein Datum festgelegt.
Hala Ibrahim (15 Jahre), Ishraga James, Mawaheb Suleiman und Inas Mohammed wurden am 12. August 2015 für nicht schuldig befunden. Am gleichen Tag wurden Nasra Omer, Wigdan Abdalla und Uthan Omer zu einer Geldstrafe von 50 sudanesischen Pfund (etwa sieben Euro) verurteilt. Am 16. August wurde Seema Ali Osman für nicht schuldig befunden und freigelassen.

Betrifft fast immer Frauen. Amnesty International hat mehrere Fälle dokumentiert, in denen andere Frauen und Mädchen wegen „anstößiger oder unmoralischer Kleidung“ verurteilt wurden.  Die Bestimmung wird in diskriminierender und unverhältnismässiger Weise gegen Frauen angewandt.
Paragraf 152 führt aus: „Wer in der Öffentlichkeit eine anstößige Handlung begeht oder sich anstößig verhält oder in einer Weise, die der öffentlichen Moral zuwiderläuft, oder anstößige oder unmoralische Kleidung trägt, die ein öffentliches Ärgernis erregt, wird mit bis zu 40 Peitschenhieben oder einer Geldbusse oder beidem bestraft.
Das Gesetz über die öffentliche Ordnung führt nicht genau aus, was als anstößige oder unmoralische Kleidung zu betrachten ist, und gibt damit der Polizei für öffentliche Ordnung (Public Order Police – POP) einen weiten Entscheidungsspielraum, ob eine Person sich „in anstössiger Weise oder der öffentlichen Moral zuwiderlaufender Weise“ verhalten hat oder „anstößige oder unmoralische Kleidung trägt, die öffentliches Ärgernis erregt“. Das System der öffentlichen Ordnung umfasst die POP und die Gerichte für öffentliche Ordnung, die Strafen in Form von bis zu 40 Peitschenhieben verhängen können.
Amnesty International wendet sich gegen körperliche Züchtigung wie die Prügelstrafe, da diese einen Verstoß gegen das uneingeschränkte Verbot von Folter und anderweitiger grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe darstellt.

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Aktion bis 2. Okt. 2015

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