Russische Föderation: Familie inhaftiert

Yevgeniya Polukhina, Nina Chursina, Mariya Polukhina und Alexsandr Polukhin: © Yana Polukhina
Yevgeniya Polukhina, Nina Chursina, Mariya Polukhina und Alexsandr Polukhin: © Yana Polukhina

Vier Mitglieder der Familie Polukhin wurden 2010 des Drogenhandels beschuldigt, weil sie Speisemohn verkauft hatten. Nach einem unfairen Prozess waren sie zu jeweils acht Jahren Haft verurteilt worden. Sie haben vor dem Obersten Gerichtshof Russlands Rechtsmittel gegen diese Entscheidung eingelegt. Die Anhörung wird vermutlich in den nächsten Tagen stattfinden.

Alexandr Polukhin eröffnete im Jahr 2000 eine Bäckerei, ein Café und einen kleinen Lebensmittelladen in Voronezh (Woronesch) in Südrussland. Zuvor hatte er bei der Luftwaffe gearbeitet. Seine Frau Mariya Polukhina, seine Tochter Nina Chursina und seine Schwägerin Yevgeniya Polukhina arbeiteten in dem Familienbetrieb. Das Unternehmen war erfolgreich und beschäftigte im Jahr 2010 15 Mitarbeiter*innen. Die Angebotspalette der Bäckerei und des Ladens umfasste auch Mohnbrötchen und Speisemohn. Angaben der Familie zufolge verlangten Beamt*innen der örtlichen Vertretung der nationalen Drogenbehörde 2010 „Schutzgeld“. Nachdem sie sich geweigert hatten, zu zahlen, brachte die russische Drogenbehörde Anschuldigungen wegen Drogenhandels gegen sie vor. Die Behörde gab an, dass der Speisemohn, den die Familie verkauft, zu den Betäubungsmitteln gehöre und für Drogenkonsument*innen gedacht sei, da er geringfügige Mengen an Mohnstroh enthält, (was bei Speisemohn üblich ist).

Während des Prozesses, der im Juli 2012 begann, akzeptierte der Richter widerspruchslos die Ansicht des Staatsanwalts. Alle Zeug*innen der Staatsanwaltschaft waren anonyme Drogenkonsument*innen, die angaben, Mohn von den Mitgliedern der Familie gekauft zu haben. Drei der Zeug*innen waren bereits wegen Rauschgiftdelikten strafrechtlich verfolgt worden. Eine dieser drei Zeug*innen zog ihre Aussage vor Gericht zurück und sagte, dass sie gelogen habe, damit die Anklagen gegen sie fallengelassen werden. Der Richter stellte die Glaubwürdigkeit der Zeug*innen nicht in Frage und ignorierte die Alibis der Familie, die belegten, dass diese zu zwei Zeitpunkten, die von der Staatsanwaltschaft angeführt wurden, keinen Mohn verkauft haben konnten. In einem Fall war Yevgeniya Polukhina in ein Krankenhaus gebracht worden, da sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. Nina Chursina wurde vorgeworfen, im Mai 2010 Mohn verkauft zu haben. Dabei soll sie mit einem Auto gefahren sein, das sie erst im September 2010 gekauft hatte.

Im Juli 2015 wurde die gesamte Familie wegen Drogenhandels verhaftet. Alexandr Polukhin wurde zu acht Jahren und vier Monaten, Mariya Polukhina, Nina Chursina und Yevgeniya Polukhina zu je acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Außerdem musste die Familie ihr Unternehmen schließen. Ein Rechtsmittelverfahren am 17. Februar 2016 führte zu einer Verkürzung ihrer Haftstrafen um wenige Monate. Weitere Rechtsmittel wurden am 31. Mai vor dem Regionalgericht Voronezh und am 29. August vor dem Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation abgewiesen. Das am 28. September eingereichte letztinstanzliche Rechtsmittel wird derzeit vor dem Obersten Gerichtshof behandelt. Die Anhörung wird innerhalb der nächsten Tage erwartet.

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