Kolumbien: Landrechtsaktivistinnen bedroht

Mehrere Mitglieder der Bäuerinnenvereinigung ASOMUPROCA haben Morddrohungen erhalten, weil sie die Rückgabe ihres Landes im Departamento Magdalena im Norden Kolumbiens fordern.

Nordkolumbien: © www.mapsofworld.com
Nordkolumbien: © www.mapsofworld.com

Am 8. August nahm Sol Carranza als Vertreterin der Vereinigung landwirtschaftlicher Erzeugerinnen ASOMUPROCA (Asociación de Mujeres Productoras del Campo) an einem Treffen bei der staatlich geschaffenen Stelle UARIV (Unidad para la Atención y Reparación Integral a las Víctimas) in der Stadt Ciénaga im Departamento Magdalena teil. Während der Veranstaltung klingelte immer wieder ihr Telefon. Als sie schließlich abnahm, wurde sie folgendermaßen bedroht: „Wenn du auf diesem Land auftauchst, bringen wir dich um, denn ihr werdet dieses Land nicht kriegen“ (Como te aparezcas por las tierras, te matamos porque ustedes no van a recibir esas tierras). Sowohl Sol Carranza als auch andere Mitglieder von ASOMUPROCA sind in der Vergangenheit bereits mit dem Tode bedroht und eingeschüchtert worden. In den vergangenen Monaten hat auch Mauris Herazo López, ebenfalls Mitglied von ASOMUPROCA, Drohanrufe erhalten. Sie erhielt zum Teil bis zu 16 Anrufe pro Tag von derselben Nummer, von der auch der Drohanruf an Sol Carranza getätigt wurde.

Die Mitglieder von ASOMUPROCA fordern die Rückgabe des Grundstücks Playones de Pivijay in der Gemeinde Pivijay im Departamento Magdalena. Grundlage hierfür ist das Gesetz über die Landrückgabe und Entschädigung von Opfern (Gesetz 1448). Am 27. Juni wurden 66 Mitglieder von ASOMUPROCA in das Register für gewaltsam enteignete und brachliegende Landflächen (Registro de Tierras Despojadas y Abandonadas Forzosamente – RTDAF) aufgenommen, was ein wichtiger Schritt im Prozess der Landrückgabe ist. Weitere fünf Mitglieder warten noch darauf, in das Register aufgenommen zu werden. Seit die Anliegen der Frauen durch die Aufnahme in das Register offiziell anerkannt wurden, werden ASOMUPROCA-Mitglieder zunehmend bedroht und eingeschüchtert.

Bitte schreiben sie Faxe oder Luftpostbriefe mit folgenden Forderungen

  • Ich sorge mich um die Sicherheit von Sol Carranza, Mauris Herazo López und anderen ASOMUPROCA-Mitgliedern sowie deren Familien und bitte Sie, in Absprache mit ihnen wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
  • Leiten Sie bitte eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen und Einschüchterungsversuche gegen die Mitglieder von ASOMUPROCA ein. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Untersuchung und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
  • Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien als Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen aus dem Jahr 1998 die Pflicht hat, Menschenrechtler_innen zu schützen.

APPELLE AN

PRÄSIDENT
Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos /
Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

LEITER DER NATIONALEN SCHUTZBEHÖRDE
Dr. Andrés Villamizar Pachón
Director de la Unidad Nacional de Protección (UNP) del Ministerio del Interior
Carrera 58 No. 10-51
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Mr. Villamizar / Estimado Sr. Villamizar / Sehr geehrter Herr Villamizar)
Fax: (00 57) 1 261 6287

KOPIEN AN
NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Colectivo Mujeres al Derecho
Calle 57 No. 41 -23
Barrio Recreo
Barranquilla
KOLUMBIEN

Botschaft der Republik Kolumbien
S. E. Herr Jaime Alberto CABAL SANCLEMENTE
Stadiongasse 6-8/15, 1010 Wien
Fax: (+43 / 1) 408 83 03, E-Mail: eaustria@cancilleria.gov.co

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Oktober 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Im Laufe des bereits seit Jahrzehnten währenden bewaffneten Konflikts in Kolumbien sind Millionen Hektar Land geraubt worden. Dies geschah häufig unter Einsatz von Gewalt gegen die rechtmäßigen Eigentümer_innen, insbesondere indigene, afrokolumbianische und kleinbäuerliche Gemeinschaften. Die verschiedenen Konfliktparteien – Paramilitärs und Sicherheitskräfte, die entweder allein oder im Einvernehmen miteinander agieren, sowie Guerillagruppen – haben seit 1985 beinahe sechs Millionen Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben.

Sprecher_innen der vertriebenen Gemeinschaften und Menschen, die sich für die Rückgabe des gestohlenen Landes einsetzen, werden bedroht und getötet, insbesondere seit das Gesetz 1448 (Gesetz über die Landrückgabe und Entschädigung von Opfern) im Juni 2011 verabschiedet wurde und Anfang 2012 in Kraft trat. Dieses Gesetz erkennt den bewaffneten Konflikt im Land sowie die Rechte seiner Opfer an. Es stellt für viele Überlebende von Menschenrechtsverletzungen eine Chance auf Wiedergutmachung dar. Dies gilt auch bei Verstößen durch Angehörige der Behörden und beinhaltet u. a. auch die Möglichkeit der Landrückgabe. Doch viele andere Betroffene des Konflikts werden von Entschädigungsforderungen ausgenommen, und weite Teile gestohlenen Landes werden möglicherweise nicht an die rechtmäßigen Eigentümer_innen zurückgegeben. Es fehlt auch an Schutzmaßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen, die ihr Land zurückerhalten haben, nicht gezwungen werden, die Kontrolle über dieses Land erneut an diejenigen abzugeben, die sie zuvor vertrieben hatten. In der Vergangenheit sind einige derjenigen, die für die Rückgabe von Land eintreten bzw. auf ihre Ländereien zurückkehren wollten, bedroht oder getötet worden; dies könnte die Umsetzung des Gesetzes beeinträchtigen.

Im Rahmen eines Pilotprojekts zur Verbesserung der Einkommenssituation von Frauen erhielten 75 Mitglieder von ASOMUPROCA im Jahr 1996 das Grundstück Playones de Pivijay. Dies geschah auf der Grundlage des Gesetzes 160 aus dem Jahr 1994, nach dem landlose Kleinbauern und -bäuerinnen Subventionen und Kredite in Anspruch nehmen können, um Land zu erwerben. Als die Frauen das Land in Besitz nehmen wollten, waren in der Gegend Guerillagruppen aktiv, und kurz danach begannen auch paramilitärische Gruppen, dort zu operieren. Diese bewaffneten Gruppen kontrollierten das Gebiet und damit auch das Leben der ASOMUPROCA-Mitglieder. Die Frauen konnten ihren Anspruch auf das Land daher nie in vollem Umfang geltend machen. Gegen Ende 1999 wurden die Frauen von dem Land vertrieben, nachdem im Januar 1999 eine ihrer Sprecherinnen, Luisa Borrero Celedon, und im Laufe des Jahres noch weitere Mitglieder getötet worden waren. Auch nach ihrer Vertreibung wurden die Frauen weiterhin bedroht. Am 20. August 2000 wurde Dora Camacho, die damalige rechtliche Vertreterin von ASOMUPROCA, in Ciénaga im Departamento Magdalena getötet. Trotz anhaltender Drohungen und Einschüchterungsversuche reichten die Mitglieder von ASOMUPROCA im Juni 2013 auf der Grundlage des Gesetzes 1448 einen Antrag auf Landrückgabe ein.

Die Frauenrechtsorganisation Colectivo Mujeres al Derecho unterstützt die Mitglieder von ASOMUPROCA in dem Landrückgabeprozess.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for the safety of Sol Carranza, Mauris Herazo López and other women of ASOMUPROCA and their families, and urging the authorities to provide effective protection for them in accordance with their wishes.
  • Calling on the authorities to order a full and impartial investigation into the death threats and intimidation against the women of ASOMUPROCA, publish the results and bring those responsible to justice.
  • Reminding them to fulfil their obligation to protect human rights defenders, as set out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

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