Iran: Zugang zu Tochter fordern!

Nazanin Zaghari Ratcliffe: © privat

Angehörige der iranischen Revolutionsgarde haben Nazanin Zaghari-Ratcliffe in Bezug auf ihre zweijährige Tochter unter Druck gesetzt. Der britisch-iranischen Mitarbeiterin einer gemeinnützigen Stiftung wurden zwei Möglichkeiten eröffnet: Entweder ihre Tochter wohnt bis zu drei Tage die Woche im Gefängnis bei ihr oder aber sie unterzeichnet ein Dokument, mit dem sie ihr „Recht, Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen“ abtritt.

Die gewaltlose politische Gefangene Nazanin Zaghari-Ratcliffe, die im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten wird, hat ihrem Ehemann am 25. November mitgeteilt, dass Angehörige der Revolutionsgarde sie unter Druck gesetzt haben. Die Beamt*innen stellten sie vor die Wahl: Entweder ihre zweijährige Tochter wohnt bis zu drei Tage die Woche bei ihr im Trakt 2A des Gefängnisses oder aber sie unterschreibt eine Erklärung, mit der sie auf ihr „Recht, Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen“ verzichtet. Es gibt im Evin-Gefängnis keine angemessenen Einrichtungen für Kinder. In ihrem letzten Gespräch mit ihrem Mann am 2. Dezember sagte Nazanin Zaghari-Ratcliffe, dass keine der beiden Möglichkeiten akzeptabel für sie sei. Sie fordere stattdessen, ihre Tochter regelmäßig entweder für einen ganzen oder einen halben Tag jede Woche sehen zu dürfen. Derzeit erlauben die Behörden lediglich einmal die Woche ein einstündiges Treffen. Die Nazanin Zaghari-Ratcliffe angebotenen Möglichkeiten scheinen ein Versuch der Behörden zu sein, auf die negativen Schlagzeilen zu reagieren, welche auf die Trennung von Mutter und Tochter gefolgt waren. Der psychische und körperliche Gesundheitszustand von Nazanin Zaghari-Ratcliffe hat sich extrem verschlechtert. Im Oktober hatte sie in einem Brief an ihren Ehemann sogar ihren Suizid angekündigt.

Nazanin Zaghari-Ratcliffe wurde im September 2016 nach einem unfairen Verfahren vor einem Revolutionsgericht in Teheran aufgrund konstruierter Anklagen wegen Straftaten, welche die Sicherheit des Staates gefährden, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Was genau ihr vorgeworfen wird, ist ihrer Familie nicht bekannt. Artikel in staatlichen Medien deuten darauf hin, dass sie wegen ihrer Arbeit mit Medienstiftungen und gemeinnützigen Organisationen in Großbritannien verurteilt wurde. Zur Zeit ihrer Festnahme im April 2016 befand sie sich in Iran im Urlaub. Sie arbeitete als Projektmanagerin für die Thomson Reuters Foundation (TRF) und koordinierte Trainings für Journalist*innen und Medienschaffende in Ländern wie Jordanien, dem Libanon, Marokko und Myanmar. Zudem bereitete sie Anträge zur Beschaffung von Geldmitteln vor. Staatliche Medien behaupteten, dass sie eine „Spionin“ für TRF sei, und warfen der Organisation vor, die Interessen des Westens zu verfolgen, indem sie sich in Entwicklungsländern für eine „westliche“ Demokratie einsetze und damit „zum Verfall der örtlichen Kulturen und Traditionen“ beitrage. Amnesty International ist nicht bekannt, dass die TRF Projekte im Iran betreibt. Im Juni erklärte der Leiter des Justizministeriums der Provinz Kerman, Nazanin Zaghari-Ratcliffe habe mit verschiedenen Webseiten und Medienkampagnen während der „Volksverhetzung“ 2009 (damit meint er die Proteste nach den Präsidentschaftswahlen) die nationale Sicherheit gefährdet. Diese Vorwürfe beziehen sich ausschließlich auf ihre Arbeit als Verwaltungsassistentin für die BBC Media Action in London. Sie betreute dabei ein Projekt, im Rahmen dessen Trainings für junge Journalist*innen in Afghanistan und dem Iran angeboten wurden.

Hintergrundinformationen und schneller E-Mail-Appell

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E-MAILS, FAX UND BRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Nazanin Zaghari-Ratcliffe bitte sofort und bedingungslos frei, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist, die sich nur in Haft befindet, weil sie friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit wahrgenommen hat.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass ihr bis zu ihrer Freilassung Besuche von ihrer Tochter gestattet werden, bei denen längere Kontakte möglich sind und die in einer angemessenen Umgebung stattfinden. Dabei muss das Wohl des Kindes berücksichtigt werden, wie es die UN-Kinderrechtskonvention vorschreibt, zu deren Vertragsstaaten der Iran gehört.
  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Nazanin Zaghari-Ratcliffe bis zu ihrer Freilassung mit den britischen Konsulatsbehörden kommunizieren kann.

APPELLE AN

(bitte senden Sie Ihre Appelle über die Botschaft)
RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed ‚Ali Khamenei
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

KOPIEN AN
PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

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