Iran: Suizid angekündigt

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Nazanin Zaghari-Ratcliffe / Ai Weiwei W4R 2016 portraits

Nazanin Zaghari-Ratcliffe, britisch-iranische Mitarbeiterin einer gemeinnützigen Stiftung, hat ihrem Ehemann aus dem Gefängnis einen Brief geschrieben, in dem sie erklärte, dass sie sich umbringen wolle. Am 13. November war sie kurzzeitig in den Hungerstreik getreten. Die gewaltlose politische Gefangene ist im September zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Amnesty International sorgt sich um ihre körperliche und psychische Gesundheit.

Nazanin Zaghari-Ratcliffe, Projektleiterin der Thomson Reuters Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung zur Förderung von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Fortschritt, unabhängigem Journalismus und Rechtsstaatlichkeit, wurde am 6. September zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihr Ehemann, Richard Ratcliffe, sagte Amnesty International, dass sie sich in einem sehr schlechten körperlichen und seelischen Zustand befinde. Ihr gehe es so schlecht, dass sie ihm im Oktober einen Abschiedsbrief geschrieben habe, in dem sie ankündigte, sich umbringen zu wollen. Am 13. November ist sie in den Hungerstreik getreten, um so ihre Verzweiflung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass sie womöglich nie wieder freikommt. Ihr Zustand verschlechterte sich so enorm, dass die Gefängnisverwaltung einen Sonderbesuch ihrer Familie für den 18. November organisierte. Als ihre Mutter sah, wie dünn Nazanin Zaghari-Ratcliffe seit ihrer Inhaftierung geworden war, brach sie zusammen. Nazanin Zaghari-Ratcliffe stimmte an diesem Tag zu, ihren Hungerstreik wegen ihrer zweijährigen Tochter zu beenden. Seitdem sie in Haft ist, leidet Nazanin Zaghari-Ratcliffe an Herzrasen, Sehstörungen und Schmerzen in den Händen, Armen und Schultern. Sie befindet sich im Evin-Gefängnis in Teheran in Haft und ist bereits zweimal auf die Krankenstation des Gefängnisses gebracht worden, erhält jedoch keine angemessene medizinische Behandlung.

Nazanin Zaghari-Ratcliffe wurde am 3. April 2016 am Teheraner Imam-Khomeini-Flughafen von Angehörigen des Geheimdienstes der Revolutionsgarde festgenommen. Anschließend hielt man sie 45 Tage lang in Einzelhaft fest. Obwohl man sie mehrfach verhörte, erhielt sie erst drei Tage vor ihrem Verfahren Zugang zu ihrem Rechtsbeistand. Am 14. August fand ihr Verfahren vor der Abteilung 15 des Revolutionsgerichts in Teheran statt. Über ein von ihr eingelegtes Rechtsmittel ist noch nicht entschieden worden. Im August erklärte die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen die Inhaftierung von Nazanin Zaghari-Ratcliffe für willkürlich und forderte die iranischen Behörden auf, sie sofort freizulassen und ihr ein einklagbares Recht auf Entschädigung zu gewähren.

Die Behörden haben angegeben, dass Nazanin Zaghari-Ratcliffe im Zusammenhang mit ihren Verbindungen zu einem Netzwerk von Bloggerinnen im Jahre 2014 und ihrer Teilnahme an Fortbildungskursen für Journalist*innen im Jahre 2015 festgenommen worden sei. Am 15. Juni veröffentlichte die Revolutionsgarde eine Erklärung, in der es hieß, sie habe sich an der Planung und Ausführung von Medien- und Onlineprojekten beteiligt, die auf einen „sanften Umsturz“, also einen Umsturz ohne die Anwendung von Gewalt, der Regierung abzielten.

Hintergrundinformationen und schneller E-Mail-Appell

SCHREIBEN SIE BITTE

E-MAILS, FAX UND BRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Nazanin Zaghari-Ratcliffe bitte sofort und bedingungslos frei, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist, die sich nur in Haft befindet, weil sie friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit wahrgenommen hat.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass sie bis zu ihrer Freilassung vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt ist und jede erforderliche medizinische Versorgung erhält.
  • Sorgen Sie bitte dafür, dass sie regelmäßigen Zugang zu einem unabhängigen Rechtsbeistand ihrer Wahl erhält und ihr Besuche sowie Telefonanrufe von ihrer Familie einschließlich ihrem Mann und ihrer Tochter gewährt werden.
  • Bitte gestatten Sie ihr, bis zu ihrer Freilassung mit den britischen
    Konsulatsbehörden zu kommunizieren.

APPELLE AN

(bitte senden Sie Ihre Appelle über die Botschaft)
RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed ‚Ali Khamenei
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

KOPIEN AN
PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Dr. Ebadollah Molaei
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Fax: (+43 / 1) 713 46 94, 713 57 33
E-Mail: public@iranembassy-wien.at

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. Januar 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

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