EL SALVADOR: Das absolute Verbot von Schwangerschaftsabbruch tötet Frauen und Mädchen

Jedes Jahr wird tausenden von Frauen und Mädchen das Recht verweigert, eine Schwangerschaft zu beenden, auch wenn es sich um ein zehnjähriges Mädchen handelt, das nach einer Vergewaltigung schwanger ist. Frauen laufen sogar nach einer Fehlgeburt Gefahr, wegen Mordes zu 50 Jahren Haft verurteilt zu werden, weil man ihnen einen heimlichen Schwangerschaftsabbruch unterstellt.Das totale Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in El Salvador führt zum Tod hunderter Frauen und Mädchen. Sie müssen sich heimlichen, unsicheren Abbrüchen unterziehen oder sind gezwungen, gesundheitsgefährdende Schwangerschaften auszutragen.

Fordern Sie eine Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch in El Salvador.

Das schildert der am 25. September 2014 in El Salvador vorgestellte Bericht von Amnesty International: «On the brink of death: Violence against women and the abortion ban».

Sogar Frauen, die vergewaltigt wurden oder die in Lebensgefahr sind, dürfen die Schwangerschaft nicht abbrechen. | © AI
Sogar Frauen, die vergewaltigt wurden oder die in Lebensgefahr sind, dürfen die Schwangerschaft nicht abbrechen. | © AI

Das absolute Verbot trifft sogar Frauen, deren Leben durch die Schwangerschaft gefährdet ist, und stellt sie vor eine unmögliche Wahl: Eine lange Gefängnisstrafe zu riskieren, wenn sie die Schwangerschaft abbrechen, oder ihr eigenes Todesurteil zu unterzeichnen, falls sie es nicht tun.

Jahrzehntelang im Gefängnis wegen Verdacht auf Schwangerschaftsabbruch. Der Bericht dokumentiert Fälle, in denen Frauen, die Fehlgeburten erlitten haben, angeklagt und zu jahrzehntelanger Haft verurteilt wurden. María Teresa Rivera (Pseudonym) ist ein solcher Fall. Sie wurde nach einer Fehlgeburt des Mordes angeklagt und zu 40 Jahren Haft verurteilt. Ein Grossteil der Betroffenen, die Amnesty für den Bericht befragte, gehört zu den Ärmsten der Gesellschaft.

Auch Kinder und Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen wurden, sind von dem Verbot von Schwangerschaftsabbruch nicht ausgenommen. Laut Gesetzgebung muss jede Schwangerschaft ausgetragen werde, auch wenn die körperlichen und psychischen Folgen verheerend sind.

Verbreitete Diskriminierung von Frauen und Mädchen.  Die Gesetzgebung zu Schwangerschaftsabbruch in El Salvador ist Ausdruck einer weit darüber hinaus reichenden Diskriminierung von Frauen und Mädchen. Frauenfeindliche Vorurteile sind auch im Justizsystem verbreitet, wo manche Richter die Glaubwürdigkeit von Frauen anzweifeln.

Die salvadorianische Regierung hat sich bisher nicht in der Lage gezeigt, wirksam gegen geschlechtsspezifische Diskriminierungen vorzugehen. Das nimmt Frauen und Mädchen das Recht, über ihren eigenen Körper zu entscheiden.

Weil es keine umfassende Sexualaufklärung gibt und Verhütungs­mittel nur schwer erhältlich sind, hat das Land die höchste Rate an Teenagerschwangerschaften in Lateinamerika. Mehr als die Hälfte der Todesfälle unter schwangeren Mädchen sind Selbstmorde. Generationen von jungen Mädchen haben deswegen eine Zukunft vor sich, die von Ungleichheit, Diskriminierung und Angst geprägt ist.Das strikte Ver­bot von Schwangerschaftsabbruch ist auch ein Zeichen für die tiefsitzende Diskriminierung von Frauen in El Salvador, wo es ein erschreckend hohes Ausmaß an Gewalt gegen Frauen, an Morden und Vergewaltigungen gibt.

Amnesty fordert von der Regierung in El Salvador Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren. Frauen und Mädchen müssen Zugang zu legalen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben, wenn die Schwangerschaft eine Gefahr für das geistige oder körperliche Gesundheit darstellt oder die Folge einer Vergewaltigung ist. Frauen, die wegen eines Schwangerschaftsabbruchs in Haft sind, müssen umgehend freigelassen werden.

Zum Online-Appell

Verbot in sieben Ländern Lateinamerikas. El Salvador ist eines von sieben Ländern in Lateinamerika, in denen Schwangerschaftabbruch per Gesetz verboten sind. Die andern sechs sind Chile, die Dominikanische Republik, Haiti, Honduras, Nicaragua und Surinam. In einzelnen dieser Länder, etwa Chile, ist allerdings bereits eine Überarbeitung der Gesetze im Gang.

Amnesty-Kampagne für sexuelle und reproduktive Rechte
Amnesty-Kampagne für sexuelle und reproduktive Rechte

Zusammen mit dem Bericht lanciert Amnesty International eine Petition an die salvadorianische Regierung. Die Arbeit der Menschenrechtsorganisation zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Lateinamerika ist Teil der weltweiten Kampagne „Mein Körper.Meine Rechte“

Tragische Fälle. María Teresa Rivera, die bereits ein fünfjähriges Kind hatte, wusste nichts von ihrer Schwangerschaft, bis sie am Arbeitsplatz zusammenbrach. Sie wurde von ihrer Schwiegermutter blutend in den Toiletten gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht. Nachdem ein Spitalangestellter die Polizei alarmierte, wurde sie von Polizisten verhört, ohne dass sie einen Anwalt hinzuziehen konnte.

Im Juli 2012 wurde sie angeklagt und wegen schweren Mordes verurteilt, trotz eines erheblichen Mangels an Beweisen. Ihr Sohn wird 45 Jahre alt sein bis sie ihre Strafe abgesessen hat.

Ein Arzt, der ein zehnjähriges Vergewaltigungsopfer behandelte, berichtete Amnesty: „Es war ein sehr schwieriger Fall…sie verstand überhaupt nicht was mit ihr passierte… Sie hat uns nach Malstiften gefragt und uns ist das Herz gebrochen. Wir sagten uns: ‚Sie ist doch noch ein kleines Mädchen, nur ein kleines Mädchen.‘ Sie verstand nicht, dass sie schwanger war.“ Das Mädchen wurde gezwungen, die Schwangerschaft auszutragen.

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