USA: Indigene Frauen im Stich gelassen

„Ich bekomme keine Antworten“: Die Verwandte einer vergewaltigten Frau © Amnesty International / Adam Nadal

Am 9. Oktober, dem Indigenous Peoples‘ Day, feierten die USA ihre indigene Bevölkerung. Indigene Frauen, die vergewaltigt wurden, lässt die Regierung jedoch im Stich. Ihnen werden das Recht auf Freiheit vor Gewalt und Gerechtigkeit verwehrt.

Petition an das Indian Health Service 

Indigene Frauen sind in den Vereinigten Staaten zweieinhalbmal so gefährdet, vergewaltigt zu werden, wie Frauen im Rest der Bevölkerung. Jede dritte Indigene wird in ihrem Leben vergewaltigt. In den meisten Fällen stehen den vergewaltigten Frauen nur unzureichende medizinische Versorgung und Betreuung zur Verfügung.

Vergewaltigungen indigener Frauen waren in der Geschichte des Kolonialismus ein Mittel der Eroberung und Unterdrückung. An den gesellschaftlichen Einstellungen hat sich dabei bis heute wenig geändert. Politik und Gesellschaft vernachlässigen die indigene Bevölkerung und ihre Rechte.

Unzureichende Strafverfolgung. Besonders deutlich wird dieser Zustand bei der Strafverfolgung. Polizeiliche Untersuchungen von Vergewaltigungsfällen sind oft unzureichend, Angebote zur medizinischen Betreuung gibt es kaum, und die Strafverfolgung von Tätern läuft nur halbherzig ab. In der forensischen Spurensicherung sollten eigentlich sogenannte „Vergewaltigungs-Kits“ benutzt werden, die eine effektive Spurensicherung gewähren und von der Polizei in den USA schon seit Jahrzehnten routinemäßig verwendet werden. In der Praxis kommen diese Kits in vielen Fällen erst gar nicht zum Einsatz, werden nicht ausgewertet oder in strafrechtlichen Prozessen nicht als Beweismittel zugelassen.

Die US-Regierung verletzt damit ihre Verpflichtungen aus der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker aus dem Jahr 2007. Darin wird das Recht indigener Frauen auf den Schutz vor jeglichen Formen der Gewalt hervorgehoben.

Halbherziges Behörden-Vorgehen. Darüber hinaus legt die Erklärung fest, dass indigene Bevölkerungsgruppen bei der Verwaltung ihrer Siedlungsgebiete selbstbestimmt über ihr Gesundheitssystem und das medizinische Versorgungsangebot entscheiden können. In den USA fällt diese Aufgabe allerdings der staatlichen Behörde Indian Health Services (IHS) zu. Die IHS ist offiziell damit beauftragt, Vergewaltigungsopfern in der indigenen Bevölkerung medizinische Versorgung anzubieten. 2011 legte die Behörde einheitliche Richtlinien und Vorgehensweisen zur medizinischen Betreuung von Vergewaltigungsopfern fest. Diese finden jedoch kaum Anwendung, wie Amnesty International von indigenen Aktivistinnen und Aktivisten erfahren hat.

Bereits 2007 hatte Amnesty International in dem Bericht „Maze of Injustice: The Failure to protect Indigenous women from sexual violence in the USA“ darauf hingewiesen, dass indigenen Frauen oftmals das Recht auf Gerechtigkeit und das Recht auf Freiheit vor Gewalt verwehrt werden. Auch zehn Jahre später hat sich an dieser Situation kaum etwas geändert, was vor allem an dem halbherzigen Vorgehen der Behörde IHS liegt.

Amnesty International fordert die IHS daher auf, die bestehenden Richtlinien und Protokolle zur Behandlung von Opfern sexualisierter Gewalt flächendeckend umzusetzen und bei Vergewaltigungsfällen konsequent anzuwenden. Unterstützen Sie diese Forderungen, indem Sie an der aktuellen Petition von Amnesty International USA teilnehmen.

Petition an das Indian Health Service

 

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