Myanmar: Aktivistin gegen Zwangsarbeit in Haft

Sie schleppen schwere Lasten, bauen Dämme, Straßen und Militäranlagen.  Zwangsarbeit kommt Sklaverei gleich. Wer die Missstände anprangert wie Su Su Nway, riskiert hohe Haftstrafen.

Su Su Nway, Mitglied der führenden Oppositionspartei  Nationale Liga für Demokratie, wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Aktivistin hatte mit ihrem mutigen Protest gegen die weitverbreitete Zwangsarbeit in Myanmar internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

SuSu

Am 13. November 2007 zog Su Su Nway ein Banner in der Nähe des Hotels hoch, in dem sich der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar aufhielt. Die Aktivistin, die monatelang im Untergrund gelebt hatte, wurde verhaftet.

Wegen ihrer Beteiligung an den Protesten im Sommer 2007 wurde Su Su Nway am 11. November 2008 zu 12 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, im Berufungsverfahren wurde die Haftstrafe auf acht Jahre und sechs Monate herabgesetzt.

BESORGNISERREGENDER GESUNDHEITSZUSTAND

Su Su Nway war zunächst im Insein-Gefängnis in Rangun inhaftiert und wurde dann in andere Gefängnisse überstellt. Seit August 2009 wird sie im abgelegenen Hkamti-Gefängnis gefangen gehalten. Hkamti, 700 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, liegt in einer Malaria-Gegend; zahlreiche Gefangene sind daran erkrankt.

Auch Su Su Nways Gesundheitszustand ist äußerst bedenklich. Die Aktivistin leidet an einem angeborenen Herzfehler und ist durch einen früheren Gefängnisaufenthalt bereits geschwächt. Nun verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand weiter. Am 20. März 2009 musste Su Su Nway stationär behandelt werden; seither verweigern ihr die Behörden medizinische Versorgung. Da das Gefängnis 1.200 Kilometer von ihrem Dorf entfernt liegt, ist es für ihre Familie sehr schwierig, Su Su Nway zu besuchen. Für Gefangene ist die Versorgung mit Nahrung und Medikamenten seitens ihrer BesucherInnen sehr wichtig, da diese vom Gefängnis nur unzureichend bereitgestellt werden.

Am 19. Juli 2009 wurde die Aktivistin mit drei Tagen Einzelhaft bestraft, nachdem sie an einer Zeremonie anlässlich des Märtyrertages (zum Gedenken der Ermordung von General Aung San, dem Vater von Aung San Suu Kyi) teilgenommen hatte. Sie war auch im Oktober 2008 in Einzelhaft überstellt worden, nachdem sie einen Hungerstreik begonnen hatte, um zu protestieren, dass ihre Familie sie nicht besuchen durfte.

Su Su Nway wehrte sich gegen Zwangsarbeit. Ihr Einsatz für Demokratie und Menschenrechte als Mitglied der Nationalen Liga für Demokratie und ihr Protest im Gefängnis fügen sich nahtlos in ihren Kampf für Gerechtigkeit ein, mit dem Su Su Nway schon früher aufgefallen war. Im April 2004 wurden die damals 32-Jährige und weitere BewohnerInnen ihres Dorfes für ein Straßenbauprojekt zwangsrekrutiert. Su Su Nway ließ die Zwangsarbeit und die erfolgte Konfiszierung von Land in ihrem Dorf nicht auf sich ruhen. Sie strengte ein Gerichtsverfahren gegen die lokalen Behörden an – und im Jänner 2005 wurde ihr Recht gesprochen.

EIN HOHER PREIS

Der mutige Einsatz für ihre Rechte hatte seinen Preis: Nach dem bahnbrechenden Gerichtsurteil wurde Su Su Nway von lokalen FunktionärInnen beschimpft und mit dem Tode bedroht. Schließlich fand sie sich als Angeklagte vor Gericht und wurde am 16. Oktober 2005 in einem unfairen Prozess zu 18 Monaten Haft wegen Diffamierung lokaler BeamtInnen verurteilt. Ihr Anwalt U Aye Myint, der die DorfbewohnerInnen in dem Gerichtsverfahren gegen die Zwangsarbeit unterstützt hatte, erhielt eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren. Nach der Freilassung setzte Su Su Nway ihr Engagement für Demokratie und Menschenrechte fort.

ZWANGSARBEIT: KEIN ENTKOMMEN

Zwangsarbeit ist in Myanmar weitverbreitet und kein neues Phänomen. Bereits Ende der 80er Jahre arbeiteten Zwangsverpflichtete als Träger für die Armee und mussten schwere Munition und Lasten schleppen. Seit den 90er Jahren kamen Tätigkeiten im Rahmen von Infrastrukturprojekten (im Allgemeinen für militärische Zwecke) hinzu: Straßen, Dämme, Eisenbahnlinien und Militäranlagen wurden von tausenden Menschen errichtet, die diese Arbeiten unbezahlt, gegen ihren Willen, unter Aufsicht der Armee verrichteten. Die Regierung spricht von einem „freiwilligen Beitrag an Entwicklungsprojekten“, die zum Nutzen für die Zivilbevölkerung wären.

Bei der Zwangsverpflichtung wird keine Rücksicht auf das Alter oder den Gesundheitszustand der Menschen genommen. Zahlreiche Menschen trugen katastrophale gesundheitliche Schäden davon, sei es von der Arbeit selbst, sei es von der Bestrafung, als sie zu schwach für die Arbeiten wurden.

Die Zwangsarbeit gefährdet und zerstört die Existenzgrundlage der Menschen. Denn die BurmesInnen werden an überlebensnotwendigen Tätigkeiten wie etwa der Bestellung ihrer Felder gehindert. In vielen Fällen fordert das Militär das Oberhaupt eines Dorfes auf, mindestens eine Person pro Familie bereitzustellen. Häufig werden Kinder und Jugendliche geschickt, weil die Erwachsenen andere Arbeiten für ihren Lebensunterhalt verrichten müssen.

Seit Jahren wird Myanmar von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organisation), einer UNO-Organisation, wegen der weitverbreiteten Zwangsarbeit kritisiert. Die ILO hat auch mehrere Maßnahmen ergriffen, u.a. ein Büro in Rangun eingerichtet, in dem Zwangsverpflichtete Klage einreichen können. In letzter Zeit konnten einige wenige Gerichtsverfahren von Opfern der Zwangsarbeit gewonnen werden. Diese bescheidenen Erfolge sind Reaktion auf den internationalen Druck, aber insgesamt setzt Myanmar kaum Schritte, um die Zwangsarbeit ernsthaft und landesweit zu beenden.

Um dem Terror dieser Sklavenherrschaft zu entkommen, haben unzählige BurmesInnen die Flucht ins Ausland, im Allgemeinen nach Thailand, gewagt. Zahlreiche Menschen kamen bei dem Versuch, den Grenzfluss Moei zu durchschwimmen, um. Die Unterdrückung setzt sich fort, da diese MigrantInnen in den „Gastländern“ brutal ausgebeutet und unterdrückt werden.

HELFEN SIE MIT!

Um Demokratie, ein Ende der schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen einschließlich Zwangsarbeit und der Freilassung der zahlreichen Gewissensgefangenen zu erreichen, bedarf es enormen Drucks aus dem Ausland auf die Militärjunta. Fordern Sie die Freilassung von Su Su Nway!

Musterbrief:

Major General Maung Oo

Ministry for Home Affairs

Office No. 10

Naypyitaw

Union of Myanmar

Dear General,

I am very concerned about the imprisonment of labour and democracy activist Su Su Nway who is well-known outside the border of your country due to her courageous struggle for human rights, in particular against forced labour..

I urge you to release Su Su Nway immediately and unconditionally.

In the meantime, I call on you to move Su Su Nway, while she remains in custody, to a prison close to her family home in Yangon and to give her regular access to lawyers of her own choosing and to her family. Please ensure that Su Su Nway is not tortured or otherwise ill-treated.

Respectfully,

Links und Information:

Weitere Informationen zu Su Su Nway und anderen ArbeitsrechtsaktivistInnen: http://gewerkschafterinnen.amnesty.at/ –  ACTION und ACTIVITY – Unser Einsatz für persönliche Schicksale

Film der Internationalen Gewerkschaft der TransportarbeiterInnen (International Transport Federation, ITF) über die MigrantInnen aus Myanmar in der thailändischen Fischereiindustrie „Abandoned, but not forgotten“ http://www.youtube.com/watch?v=deCo_ZBSk-U

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