Kolumbien: Morddrohungen gegen Ayda Quilcué und andere MenschenrechtsverteidigerInnen

Am 20. Juni erhielten MenschenrechtsverteidigerInnen Morddrohungen, die sich gegen verschiedene Nichtregierungsorganisationen in Kolumbien richteten. Alle Mitglieder dieser Organisationen schweben in Gefahr.

Am 20. Juni um 16:44 Uhr erhielt das Team für Kommunikation der christlichen Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz eine Drohung per SMS. Die Nichtregierungsorganisation unterstützt in kolumbianischen Konfliktregionen zivile Gemeinschaften, in denen bereits zahlreiche Mitglieder von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppierungen getötet, gefoltert oder vertrieben wurden.

Am selben Tag erhielt auch Ayda Quilcué, eine ehemalige Sprecherin des Indigenenrates im Departamento Cauca (Concejo Regional Indígena del Cauca – CRIC), per Kurznachricht eine Morddrohung auf ihrem Handy. In beiden Nachrichten wurden weitere Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften erwähnt, der Zugehörigkeit zu Guerillagruppen beschuldigt und mit dem Tode bedroht. Eine Liste der betroffenen Organisationen finden Sie in den Hintergrundinformationen.

 

Ayda Quilcué bei einer Demonstration © ONIC

Da Mitglieder der Comisión Intereclesial de Justicia y Paz als Folge ihrer Menschenrechtsarbeit großen Gefahren ausgesetzt sind, erhalten Sie Schutzmaßnahmen der Regierung. Das Mobiltelefon, an das die Drohnachricht gesendet wurde, setzt Justicia y Paz im Kontext ihrer Arbeit ein. Es ist von der Abteilung für nationalen Schutz des kolumbianischen Innenministeriums bereitgestellt worden. Angehörige der Menschenrechtsorganisation haben bei den zuständigen Behörden mehrmals offiziell ihre Sorge darüber bekundet, dass die Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt worden sind oder unangemessen waren.
Diese Morddrohung gegen die Menschenrechtsorganisation Justicia y Paz reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, in denen ihre Mitglieder von unbekannten Personen eingeschüchtert, schikaniert, verfolgt oder überwacht wurden.

Werden Sie aktiv!

Schreiben Sie bitte Faxe oder Luftpostbriefe mit folgenden Forderungen

·      Ich möchte meine Sorge um die Sicherheit der MitarbeiterInnen der in den Morddrohungen genannten Organisationen ausdrücken und fordere Sie auf, in Absprache mit den Betroffenen geeignete Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen.

·      Bitte leiten Sie umgehend eine vollständige und unabhängige Untersuchung der Morddrohungen und aller vorhergehenden Vorfälle ein. Von großer Bedeutung ist dies insbesondere, da das Mobiltelefon, auf dem die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz eine Morddrohung erhalten hat, offiziell Eigentum der Abteilung für Nationalen Schutz ist. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse der Untersuchung und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

·      Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.

APPELLE AN

PRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C., KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos /
Dear President Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
 
Justiz- und Innenminister
Señor Federico Renjifo Vélez
Ministerio Del Interior y De Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Ministro/ Dear Minister/ Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 599 8961
 
KOPIEN AN
Comisión Intereclesial de Justicia y Paz
Calle 61A, No. 17-26 (Chapinero),
Bogotá, KOLUMBIEN
Fax: (00 57) 1 346 3613


Botschaft der Republik Kolumbien

S.E. Herr Freddy Jose PADILLA DE LEON
Stadiongasse 6-8/15
1010 Wien
embcolviena@aon.at

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. August 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Nichtregierungsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz setzt sich in kolumbianischen Konfliktregionen für zivile Gemeinschaften ein, deren Angehörige von Sicherheitskräften oder paramilitärischen Gruppierungen getötet, gefoltert oder vertrieben wurden. Viele dieser Gemeinschaften sind zudem von Guerillagruppen angegriffen worden.

Justicia y Paz unterstützt des weiteren die Anliegen afrokolumbianischer und indigener Gemeinschaften, die in und im Umland von Curvaradó, Jiguamiandó und dem Flussgebiet Cacarica im Departamento Chocó leben. Diese Bevölkerungsgruppen sind bereits wiederholt von Paramilitärs bedroht worden, die mächtigen wirtschaftlichen Interessen zuarbeiten. Im letzten Jahr wurden Angehörige der genannten Organisationen, darunter auch Ayda Quilcué, mehrmals aufgrund ihres Einsatzes für die Menschenrechte von Gewerkschaftsmitgliedern und afrokolumbianischen sowie indigenen Gemeinschaften in den Departamentos Valle del Cauca und Cauca von Paramilitärs mit dem Tode bedroht.

Durch ihren Einsatz für die Menschenrechte dieser Gemeinschaften und bei der strafrechtlichen Verfolgung bedeutender Fälle von Straflosigkeit von ranghohen Angehörigen der Sicherheitskräfte ist Justicia y Paz im Laufe der Zeit zahlreichen Drohungen und Angriffen zum Opfer gefallen. Unter anderem wurde in die Büroräume der Organisation eingebrochen und Mitglieder von Justicia y Paz wurden zur Zielscheibe von Morddrohungen, Entführungen, Mordversuchen, strafrechtlicher Verfolgung, Verleumdungskampagnen und waren vom Verschwindenlassen bedroht.
Im Laufe des 45 Jahre andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien bezeichneten Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen häufig als Kollaborateure oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen. In der Folge werden sie häufig bedroht und getötet oder fallen dem Verschwindenlassen zum Opfer. Auch Guerillagruppen haben schon mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, da sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.

Folgende Organisationen haben Drohungen per SMS erhalten:
Die Nichtregierungsorganisationen Asociación de Investigación y la Acción Social (NOMADESC), Asociación para el desarrollo social integral (ECATE) und Comité Permanente por la Defensa de los Derechos Humanos (CPDH) sowie die Nationale Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estad – MOVICE) und der Gewerkschaftsverband Central Unitaria de Trabajadores (CUT).

Musterbrief (spanisch)

Excmo. Sr. Presidente Santos:

Estimado Sr. Ministro:

Quiero expresar mi preocupación por los miembros de las organizaciones mencionadas en las amenazas de muerte y insto a las autoridades a tomar medidas adecuadas para protegerlos, de estricta conformidad con los deseos de las personas afectadas.

Pido a las autoridades que ordenen una investigación exhaustiva y imparcial sobre estas amenazas y todos los incidentes anteriores. Esto es especialmente importante habida cuenta de que el teléfono móvil en el que la Comisión Intereclesial de Justicia y Paz recibió la amenaza de muerte pertenece oficialmente a la Unidad de Protección Nacional. Tambien pido que se hagan públicos los resultados y que los responsables comparezcan ante la justicia.

Recuerdo a las autoridades colombianas que deben cumplir con sus obligaciones respecto a la protección de quienes defienden los derechos humanos, establecidas en la Declaración sobre los Defensores de los Derechos Humanos adoptada por la ONU en 1998.

Attentamente,

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