Kolumbien: Konstruierte Anklagen

Sara Quiñonez und Tulia María Valencia setzen sich für die Landrechte der afrokolumbianischen Bevölkerung ein.
© Amnesty International

Sara Quiñonez und ihre Mutter Tulia María Valencia sind Gemeindesprecherinnen im Verwaltungsbezirk Tumaco im Departamento Valle del Cauca und setzen sich für die Menschenrechte der Bewohner*innen der afrokolumbianischen Gemeinschaft in Alto Mira y Frontera ein. Ende April sind die beiden Frauen rechtswidrig inhaftiert worden. Man wirft ihnen Straftaten vor, die sie nicht begangen haben.

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Am 23. April wurden Sara Quiñonez und ihre Mutter Tulia Valencia in Cali, der Hauptstadt des Departamento Cali, festgenommen. Gegen die beiden Gemeindesprecherinnen ist Anklage wegen „Rebellion“ und „schwerwiegender Verschwörung, ein Verbrechen zu begehen“ erhoben worden. Derzeit werden sie im bundesstaatlichen Gefängns von Jamundí in der Nähe von Cali festgehalten. Der afrokolumbianischen Menschenrechtsorganisation „Proceso de Comunidades Negras“ (PCN) zufolge sind die Anklagen gegen Sara Quiñonez und Tulia Valencia haltlos, da sie weder Mitglieder einer Guerillagruppe sind, noch an den ihnen zur Last gelegten Straftaten beteiligt waren. PCN berichtete außerdem, dass das bisherige Verfahren gegen die beiden Frauen wegen ihrer afrikokolumbianischen Abstammung und ihrer Rolle als Menschenrechtsverteidigerinnen unfaire und diskriminierende Merkmale aufwies.

Sara Quiñonez ist Vorsitzende des Gemeinderats der afrokolumbianischen Gemeinschaft Alto Mira y Frontera. Sie ist eine Menschenrechtsverteidigerin, die für die Landrechte ihrer Gemeinschaft kämpft. Die Bewohner*innen von Alto Mira y Frontera werden von zahlreichen bewaffneten Akteuren bedroht, welche versuchen, die Kontrolle über ihre Gebiete zu erlangen – insbesondere über die Kokafelder. Auch die Mutter, Tulia Valencia, ist eine bekannte Gemeindesprecherin, die sich mit großem Engagement dem Schutz der individuellen und kollektiven Rechte ihrer Gemeinde widmet. Beide Frauen leben in Cali, nachdem sie nach der Ermordung zweier anderer Gemeindesprecher*innen gezwungen waren, ihre Heimatorte zu verlassen. Die PCN befürchtet, dass das Leben und die Sicherheit weiterer afrokolumbianischer Menschenrechtsverteidigerinnen an der Pazifikküste Kolumbiens gefährdet sind, da es maßgeblich diese Frauen sind, die ihren Gemeinschaften eine Stimme geben und deshalb ins Visier der Behörden geraten.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat im März 2018 dem Vorstand des Gemeinschaftsrats von Alto Mira y Frontera, einschließlich Sara Quiñonez, Schutzmaßnahmen zugesichert. Dieser Antrag folgte auf Berichte über Gewalt im Departamento Nariño, insbesondere im Verwaltungsbezirk San Andrés de Tumaco, und die Ermordung des Gemeindesprechers José Jair Cortés am 17. Oktober 2017. Sara Quiñonez erhielt außerdem von der zum Schutz gefährdeter Personen eingerichteten Behörde Unidad Nacional de Protección (UNP) aufgrund der Gefahr, der sie als Gemeindesprecherin ausgesetzt ist, Schutzmaßnahmen.

Urgent Action aktuell bis 18. Juni 2018

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Ein Gedanke zu „Kolumbien: Konstruierte Anklagen“

  1. Sara Quiñonez und ihre Mutter Tulia María Valencia sind aufgrund falscher Angaben inhaftiert worden. Sie sind aufgrund ihres Einsatzes als Gemeindesprecherinnen in Gefahr und benötigen dringend Schutz!

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