Kolumbien: „Das ist es, was wir fordern – Gerechtigkeit“

Keine Straflosigkeit für sexuelle Gewalt an Frauen im bewaffneten Konflikt Kolumbiens.

Frauen und Mädchen sind Opfer verbreiteter und systematischer sexueller Gewalt, die von allen Konfliktparteien in dem langanhaltenden kolumbianischen, bewaffneten Konflikt begangen wird – seien es Paramilitärs, Angehörige der Sicherheitskräfte oder Kämpfende der Guerillas. Die Mädchen und Frauen wurden sexuell missbraucht oder als Sexsklavinnen ausgebeutet. Ein weiteres Motiv sind Racheakte. Frauen werden auch als Vergeltung für ihre Arbeit als Menschen­rechts­verteidigerinnenoder in ihrer Funktion als lokale und soziale Führungspersön­lich­keiten angegriffen. Im Laufe der letzten Jahre waren Frauen, die als Menschen­rechtsverteidigerinnen oder lokale Führungs­persönlichkeiten mit vertriebenen Gemein­den arbeiteten oder für die Rückgabe ge­stohlenen Grund­besitzes kämpften, das Ziel von Drohungen und Tötungen, meist durch Paramilitärs. Manche dieser Frauen wurden darüber hinaus Opfer sexueller Gewalt.

Mauer in den Straßen von Mocoa trägt die Botschaft: „Eine Frau ist wie Mutter Erde. Ihre Natur darf  nicht verletzt werden.“ © UNHCR/L.Badillo

Eine Mauer in den Straßen von Mocoa trägt die Botschaft: „Eine Frau ist wie Mutter Erde. Ihre Natur darf  nicht verletzt werden.“ © UNHCR/L.Badillo

In dem 45 Jahre alten Konflikt sind bisher nur sehr wenige Täter aufgrund sexueller Gewalt zur Rechen­schaft gezogen worden. Viele der Mädchen, Frauen und Familien, die mit Amnesty International gesprochen haben, beschrieben, wie durch diese Verwei­gerung von Gerechtigkeit eine offene Wunde bleibt. Diese verstärkt ihr ohnehin schon großes Leid und setzt sie zudem weiteren Übergriffen aus – einschließlich Drohungen, Einschüchterungen und weiteren Gewalttaten.

VERBRECHEN IM VERBORGENEN. Vergewaltigung und sexuelle Gewalt ist nicht die einzige Form geschlechtsspezifischer Gewalt in Konfliktsituationen. Sexuelle Gewalt fällt aber aus einem entscheidenden Grund in eine spezielle Kategorie: sie bleibt meist ein Verbrechen im Verborgenen.
Vergewaltigung hat überall auf der Welt, besonders aber in Konfliktsituationen, eine hohe Dunkelziffer. Gründe, warum eine Vergewaltigung oder andere Formen von Gewalt nicht angezeigt werden, sind u.a. Scham und Stigmatisierung der Frauen, die mit diesem Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Angst vor weiterer Gewalt, generelle Sicherheitsprobleme und mangelndes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden sowie das Justizsystem verhindern, dass Anklage erhoben wird.
Insbesondere indigene Frauen und Mädchen werden mehrfach diskriminiert. Aus Furcht um ihre eigene Sicherheit zeigen sie selten Verbrechen sexueller Gewalt bei den Behörden an, da
die Reaktion auf eine solch öffentlich gemachte Beschuldigung sich oftmals auf die ganze Gemeinschaft auswirkt.

WERDEN SIE AKTIV.
Schreiben Sie an den kolumbianischen Präsidenten und verlangen Sie, Schutz, Sicherheit und Gerechtigkeit für die Opfer sexueller Gewalt.

Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No.7-26
Bogota
Kolumbien

Sehr geehrter Herr Präsident!

In Kolumbien sind im bewaffneten Konflikt besonders Frauen und Mädchen geschlechts­spezifischer, konfliktbezogener sexueller Gewalt ausgesetzt. Die Täter, die aus allen Konfliktparteien stammen, kommen oft straflos davon. Der kolumbianische Staat ist nicht nur daran gescheitert, die Rechte der Opfer sexueller Gewalt auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung durchzusetzen, sondern verweigert vielen Überlebenden von Sexual­verbrechen bewusst ihre Rechte.

Deshalb fordere ich die Regierung Kolumbiens auf,

  • geschlechtsspezifische Menschenrechtsverletzungen vollständig und unparteiisch zu untersuchen und die Verantwortlichen zu bestrafen und gegen diskriminierende Vorurteile gegenüber den Opfern sexueller Gewalt und deren Stigmatisierung vorzugehen.
  •  Maßnahmen zu ergreifen, die Zivilbevölkerung zu schützen, insbesondere Menschen­­rechts­verteidiger_nnen und Überlebende sexueller Gewalt.
  • sicherzustellen, dass Überlebende sexueller Gewalt Zugang zu angemessener psychologischer und medizinischer Betreuung erhalten.
  • sicherzustellen, dass sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verfolgt wird, um so auch die Straflosigkeit von Vorgesetzten der Täter zu beenden.
  • die vollständige Umsetzung der Menschenrechtsempfehlungen der UN gegen Straflosigkeit
    sicherzustellen.
  • paramilitärische Gruppen aufzulösen und die Verbindungen der Gruppen zu den staatlichen Sicherheitskräften zu zerschlagen.

Hochachtungsvoll,

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