Jesidische Frauen nach IS-Terror in Flüchtlingslagern erneut bedroht

Im griechischen Lager Nea Kavala. © Amnesty International / Richard Burton
Im griechischen Lager Nea Kavala. © Amnesty International / Richard Burton

Der Horror, den jesidische Frauen und Mädchen während ihrer Gefangenschaft erleiden mussten, hat fast alle schwer traumatisiert. Geflüchtete Frauen sehen sich in den griechischen Flüchtlingslagern erneuter Gewalt ausgesetzt.

In den frühen Morgenstunden des 3. Augusts 2014 griffen Kämpfer der bewaffneten Gruppe, die sich selbst Islamischer Staat (IS) nennt, die nordirakische Stadt Sinjar an. Die IS-Kämpfer nahmen tausende jesidische Frauen und Kindern gefangen, vergewaltigten sie, behandelten sie wie Kriegstrophäen und verschacherten sie in die Sexsklaverei. (Jesid*innen sind eine religiöse Minderheit mit mehreren hunderttausend Angehörigen, deren ursprüngliche Hauptsiedlungsgebiete im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei liegen.)

Viele der Mädchen, die als Sex-Sklavinnen gehalten wurden, waren 14 oder 15 Jahre alt, manche waren noch jünger. Die Kämpfer des „Islamischen Staates“ setzen Vergewaltigung als Kriegswaffe ein. Das ist ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ziel der Kämpfer des „Islamischen Staates“ war und ist es, ethnische und religiöse Minderheiten auszulöschen. Der Horror, den diese Frauen und Mädchen während ihrer Gefangenschaft erleiden mussten, hat fast alle schwer traumatisiert. Einige haben sich das Leben genommen.

Etwa 3.800 Frauen befinden sich immer noch in Gefangenschaft des IS. Menschenrechtsverteidiger*innen versuchen seither, die Frauen zu befreien. Tausende Jesidinnen leben als Binnenvertriebene im Irak, viele sind weiter geflohen.

Im Flüchtlingslager Nea Kavala in Griechenland waren im Juli 2016 etwa 400 jesidische Frauen, Kinder und Männer unter jämmerlichen Bedingungen gemeinsam mit 2.000 weiteren Flüchtlingen untergebracht. Seit Monaten schlafen sie in Zelten, sind Schmutz, Insekten und im Sommer glühender Hitze ausgesetzt und haben zu wenig Wasser. Kinder  haben keine Chance, die Schule zu besuchen. Nach dem Schrecken des IS und einer lebensgefährlichen Flucht sind die Jesid*innen Übergriffen im Lager ausgesetzt. Während die Europäische Union weiter säumig ist, Schutzbedürftige aus Griechenland aufzunehmen, müssen viele um ihre Sicherheit fürchten. Jesidische Männer stehen Wache, die Frauen haben einen „Schutzkreis“ organisiert. Sie begleiten sich gegenseitig auf die Toiletten und haben Waschmöglichkeiten neben ihren Zelten gebaut, weil sie nicht wagen, die Duschen aufzusuchen.

Schreiben sie eine Solidaritätsbotschaft an die jesidischen Frauen

Die EU und Griechenland müssen tätig werden: die EU muss endlich mehr Flüchtlinge aufnehmen und Griechenland muss die Bedingungen in den Lagern verbessern.

Dokumentarfilm: Die Flucht aus der IS-Sklaverei

Mehr Information (englisch)

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