Iran: Reyhaneh Jabbari hingerichtet

Reyhaneh Jabbari, die im Iran gemäß dem Prinzip qesas (Vergeltung gleicher Art) zum Tode verurteilt worden war, ist am 25. Oktober hingerichtet worden.

Reyhaneh Jabbari: © picture alliance / dpa
Reyhaneh Jabbari: © picture alliance / dpa

Reynaheh Jabbari wurde am frühen Morgen des 25. Oktober im Raja’i-Shahr-Gefängnis in Karadsch hingerichtet. Zuvor war sie im Shahr-e-Ray-Gefängnis festgehalten worden, wo ihr ein letzter Besuch ihrer Eltern, Großeltern und Geschwister gewährt worden war, der etwas länger als eine Stunde dauerte. Am späten Abend des 24. Oktober wurde sie dann zur Vollstreckung des Todesurteils ins Raja’i-Shahr-Gefängnis gebracht. Ihre Mutter Shohle Pakravan berichtete Amnesty International, dass die Gefängnisbehörden ihr nicht mitteilen wollten, in welches Gefängnis man ihre Tochter für die Hinrichtung bringen würde. Ihre Familie wollte an vier Gefängnissen in der Umgebung Teherans protestieren und erfuhr schließlich, dass sich Reyhaneh Jabbari im Raja’i-Shahr-Gefängnis befand. Staatliche Medien gaben die Hinrichtung am 25. Oktober bekannt. Ihre Mutter sagte am selben Tag in einem Post auf Facebook, sie sei aufgefordert worden, den Leichnam ihrer Tochter am 25. Oktober um zehn Uhr morgens auf dem Behesht-e-Zahra-Friedhof in Teheran abzuholen. Sie schrieb: „Ich versinke in großem Kummer und Schmerz … Ich habe meine geliebte Tochter verloren.“

Hinrichtung von Reynaheh Jabbari war mindestens einmal verschoben worden, nachdem sie im September in das Raja’i-Shahr-Gefängnis gebracht worden war, um dort hingerichtet zu werden. Shohle Pakravan rief die Behörden damals an, die diese Information bestätigten.

Reyhaneh Jabbari wurde 2007 wegen des Mordes an Morteza Abdolali Sarbandi, einem früheren Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes, festgenommen. Reyhaneh Jabbari hatte gleich nach ihrer Festnahme zugegeben, dem Mann eine Stichwunde im Rücken zugefügt zu haben, allerdings stand ihr zu dieser Zeit kein Rechtsbeistand zur Verfügung. Sie gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben, weil Morteza Abdolali Sarbandi versucht hatte, sie sexuell zu missbrauchen. Nach ihrer Festnahme wurde Reyhaneh Jabbari zwei Monate lang in Einzelhaft im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten, wo sie keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand oder ihrer Familie hatte.

Reyhaneh Jabbari wurde 2009 von einem Strafgericht in Teheran gemäß qesas („Vergeltung gleicher Art“) zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde im selben Jahr vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Ihre Familie wurde im März 2014 darüber informiert, dass das Urteil an die Vollstreckungsbehörde in Teheran weitergeleitet wurde. Personen, die gemäß qesas verurteilt werden, können vom Religionsführer nicht begnadigt oder im Rahmen einer Amnestie freigelassen werden.

Amnesty International ist der Ansicht, dass die Verbindung von Morteza Abdolali Sarbandi mit dem Geheimdienst die Unparteilichkeit des Gerichts beeinträchtigt haben könnte.

Weitere Appelle sind nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.

 

 

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