Iran: Menschenrechtlerinnen im Hungerstreik

Die iranischen Menschenrechtler*innen Atena Daemi, Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi  © privat

Die beiden inhaftierten iranischen Menschenrechtlerinnen Golrokh Ebrahimi Iraee und Atena Daemi sind am 3. Februar in den Hungerstreik getreten, um gegen ihre Verlegung in ein Gefängnis zu protestieren, in dem verurteilte Gewaltstraftäterinnen unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten werden. Um die Rückverlegung der beiden Frauen in die vorherige Haftanstalt zu erwirken, hatte sich zuvor bereits der Menschenrechtler Arash Sadeghi am 27. Januar in den Hungerstreik begeben. Sein Gesundheitszustand ist kritisch.

Setzen Sie sich für die drei Menschenrechtsaktivist*innen ein!

Am 24. Januar wurden die beiden rechtswidrig inhaftierten Menschenrechtlerinnen Golrokh Ebrahimi Iraee und Atena Daemi vom Teheraner Evin-Gefängnis in das Schahr-e-Rey-Gefängnis in der nahe Teheran gelegenen Stadt Waramin verlegt. Laut Angaben der beiden Frauen wurden sie dabei von männlichen Gefängnisangestellten beschimpft, verbal sexuell belästigt und später – als sie friedlich ihren Protest gegen die Verlegung zum Ausdruck brachten – auch getreten und geschlagen. Dabei hatten sie lediglich argumentiert, dass die Verlegung unrechtmäßig sei und gegen die Bestimmungen zur Klassifizierung von Gefangenen auf Grundlage der Schwere der begangenen Straftaten und des Risikos für Gesellschaft und Mitgefangene verstoße. Die Schläge hörten erst auf, so erklärten die beiden Frauen, als zwei Gefängniswärterinnen einschritten. Aus Protest gegen ihre Verlegung traten Golrokh Ebrahimi Iraee und Atena Daemi am 3. Februar in den Hungerstreik.

Update: Atena Daemi hat Mitte Februar ihren Hungerstreik abgebrochen. Golrokh Ebrahimi Iraee führt den Hungerstreik weiter, nimmt aber wieder Flüssigkeit zu sich. Damit ist die Lebensgefahr erst einmal gebannt.
Selbstverständlich ändert das nichts an der Situation den beiden, und wir fordern weiterhin ihre bedingungslose und sofortige Freilassung. 

Golrokh Ebrahimi Iraee und Atena Daemi sind in großer Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden. Das Schahr-e-Rey-Gefängnis ist in einer ehemaligen Geflügelzuchtanlage untergebracht. Hunderte Gewaltstraftäterinnen werden dort in überfüllten Zellen und unter unhygienischen Bedingungen gefangen gehalten, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, angemessener Nahrung, Medizin oder ausreichend frischer Luft. Berichte aus dem Gefängnis deuten auf eine hohe Anzahl gewalttätiger Übergriffe – sowohl durch Mitgefangene als auch durch das Wachpersonal – sowie auf einen ungezügelten Drogenkonsum und Probleme durch Infektionskrankheiten hin. Die iranischen Behörden haben in der Vergangenheit wiederholt weiblichen gewaltlosen politischen Gefangenen, die offene Kritik üben, mit einer Verlegung in das Schahr-e-Rey-Gefängnis gedroht.

Golrokh Ebrahimi Iraee saß seit Oktober 2016 im Evin-Gefängnis ein, um eine sechsjährige Haftstrafe zu verbüßen, die sie hauptsächlich für das Verfassen einer unveröffentlichten Geschichte über die Praxis der Steinigung erhalten hatte. Im März 2017 wurde ihre Haftstrafe im Rahmen einer Begnadigung zum iranischen Neujahrsfest Nowrooz um 30 Monate reduziert.

Atena Daemi befindet sich seit November 2016 in Haft, um eine siebenjährige Haftstrafe zu verbüßen. Ihr Vergehen bestand in friedlichen Menschenrechtsaktivitäten, zu denen das Posten von Facebook- und Twitter-Nachrichten gegen die hohe Anzahl von Hinrichtungen und das Verteilen von Flugblättern gegen die Todesstrafe zählten.

Arash Sadeghi, der mit Golrokh Ebrahimi Iraee verheiratet ist, trat am 27. Januar aus Protest gegen die Verlegung der beiden Frauen in den Hungerstreik. Diese Entscheidung gibt Anlass zu großer Sorge, da Arash Sadeghis Gesundheitszustand aufgrund von ernsten Verdauungsproblemen und Atembeschwerden, einem mit Blutungen und Schmerzen einhergehenden Magengeschwür sowie Herzrhythmusstörungen bereits stark angeschlagen war. Seit Dezember 2016 haben verschiedene Ärzte darauf hingewiesen, dass er sich einer längeren Facharzttherapie in einem Krankenhaus unterziehen muss. Die Behörden verweigerten jedoch Arash Sadeghis Verlegung in ein Krankenhaus, um ihn für einen vorherigen Hungerstreik zu bestrafen. Amnesty International hat mehrfach darauf hingewiesen, dass diese missbräuchliche Praxis eine Form von Folter darstellt.

Setzen Sie sich für die drei Menschenrechtsaktivist*innen ein!

Twitter-Aktionen unter: #SaveGolrokh_Atena

Urgent Action bis 22. März 2018

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