Iran: GEFANGENE DROHT ZU STERBEN

Atena Daemi, Aktivistin gegen die Todesstrafe. Foto: privat

Der Gesundheitszustand der iranischen Frauenrechtsaktivistin Atena Daemi hat sich extrem verschlechtert. Nach nunmehr 46 Tagen im Hungerstreik ist ihr Zustand lebensbedrohlich und sie kann kein Wasser mehr bei sich behalten. Trotz der Warnungen von Ärzt*innen, weigern sich die Behörden immer noch, sie zu einer fachärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses zu verlegen. Sie ist eine gewaltlose politische Gefangene.

Atena Daemi, die Menschenrechtsverteidigerin und Frauenrechtsaktivistin, ist inzwischen in einem lebensbedrohlichen Zustand. Sie befindet sich seit dem 8. April im Hungerstreik. Laut Angaben ihrer Familie hustet sie Blut und leidet unter Schwindelanfällen, Erbrechen und Nierenschmerzen. Sie hat Blutdruckschwankungen und dramatisch an Gewicht verloren. Am 8. Mai wurde sie, nachdem sie bereits Tage zuvor das Bewusstsein verloren hatte, für kurze Zeit in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses gebracht. Dort wurden einige medizinische Untersuchungen durchgeführt. Man brachte sie jedoch ins Gefängnis zurück, noch ehe die Untersuchungsergebnisse vorlagen. Die Ärzt*innen im Krankenhaus warnten, dass sie eine schwere Nierenentzündung habe und umgehend stationär im Krankenhaus behandelt werden müsse. Inzwischen hat ihr Körper begonnen, Wasser zurückzuweisen.

Seit dem 20. Mai trinkt sie Wasser mit einem lokalen Betäubungsmittel, um ihren Körper dabei zu unterstützen, das Wasser bei sich zu behalten. Trotz früherer Warnungen der Krankenhausärzt*innen weigern sich die Behörden immer noch, Atena Daemi zur Behandlung in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses zu lassen.

Ende April wurde sie in die Gefängnisklinik gebracht, um ein EKG zu erstellen, doch der Krankenpfleger weigerte sich, die Untersuchung durchzuführen. Er rechtfertigte seine Weigerung damit, dass es für männliches medizinisches Personal „unangemessen“ sei, diese Untersuchung an Patientinnen durchzuführen, da sie dabei ihre Brust entblößen müssen. Weibliche politische Gefangene sehen sich häufig zusätzlichen Formen geschlechtsspezifischer Diskriminierung gegenüber, wenn sie Zugang zu medizinischer Behandlung suchen. Weiblichen Gefangenen mit abendlichen oder nächtlichen Herzproblemen wurden bereits bei mehreren Gelegenheiten Notfall-EKGs verweigert, da die Gefängnisbehörden darauf bestanden, dass diese Tests von weiblichem Personal durchgeführt werden müssen, weil die Patientinnen für die Untersuchung ihre Brust entblößen.

Am 8. April trat die iranische Menschenrechtsverteidigerin Atena Daemi, die wegen ihrer friedlichen Menschenrechtsaktivitäten zu sieben Jahren Haft verurteilt worden ist, im Evin-Gefängnis in den Hungerstreik. Sie protestiert damit gegen die ihren Schwestern Hanieh und Ensieh auferlegten ausgesetzten Gefängnisstrafen wegen „Beleidigung von Beamt*innen im Dienst“. Beide wurden am 13. März 2017 von einem Strafgericht in Teheran zu ausgesetzten Gefängnisstrafen von drei Monaten und einem Tag verurteilt. Die Urteile standen in Zusammenhang mit dem Protest der Schwestern während der gewaltätigen Festnahme von Atena Daemi durch drei Angehörige der Revolutionsgarden am 26. November 2016. Das Gericht setzte die Haftstrafen von Hanieh und Ensieh Daemi aus. Die drei Schwestern werden am 27. Mai vor Abteilung 48 des Berufungsgerichts in Teheran erwartet.

Hintergrundinformationen und schneller E-Mail-Appell

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, FAXE UND E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte veranlassen Sie die sofortige Freilassung von Atena Daemi, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist, die lediglich ihre Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit wahrgenommen hat.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass Atena Daemi Zugang zu qualifiziertem Gesundheitspersonal erhält, welches sie entsprechend der Medizinethik versorgt und die Grundsätze der Schweigepflicht, Patientenautonomie und Einwilligung nach Aufklärung einhält.
  • Heben Sie die Verurteilungen von Hanieh und Ensieh Daemi auf, die in einem unfairen Verfahren zustande kamen.
  • Bitte untersuchen Sie die Folter- und Misshandlungsvorwürfe von Atena Daemi, darunter der Vorwurf, in der Haft im November 2016 Gewalt ausgesetzt worden zu sein, und garantieren Sie, dass die Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht gestellt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Release Atena Daemi immediately and unconditionally, as she is a prisoner of conscience targeted solely for peacefully exercising her rights to freedom of expression, association and assembly.
  • Ensure, pending her release, that she has access to a qualified health professional who can provide health care in compliance with medical ethics, including the principles of confidentiality, autonomy and informed consent.
  • Quash the convictions and sentences of Hanieh and Ensieh Daemi, which were issued after an unfair trial.
  • Investigate Atena Daemi’s allegations of torture or other ill-treatment, including being subjected to violence during her November 2016 arrest, and ensure that those responsible are brought to justice in fair trials.

Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
c/o Public Relations Office
Number 4, Deadend of 1 Azizi
Above Pasteur Intersection
Vali Asr Street, Tehran, IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

GENERALSTAATSANWALT VON TEHERAN
Abbas Ja’fari Dolat Abadi
Office of the General and Revolutionary Prosecutor
Corner (Nabsh-e) of 15 Khordad Square
Tehran, IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
The Presidency
Pasteur Street, Pasteur Square
Tehran
IRAN

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herr Ebadollah MOLAEI
Jauresgasse 9, 1030 Wien
Telefax: (+43 / 1) 713 57 33
E-Mail: public(at)iranembassy-wien.at

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Juli 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.