Indien: Menschenrechtlerin bedroht

Angehörige der indigenen Gruppe Adivasi protestieren im indischen Bundesstaat Odisha gegen die Landnahme durch Konzerne. © Sanjit Das

Wegen ihres friedlichen Engagements sieht sich Pavitri Manjhi mit Bedrohungen, Schikanen und Einschüchterungen konfrontiert. Zwischen dem 3. und 5. April wurde sie jeden Abend von zwei Männern zuhause aufgesucht. Diese wiesen sie an, alle formalen Beschwerden zurückzuziehen, die von Adivasi-Dorfbewohner*innen gegen zwei Privatunternehmen eingereicht worden waren. Berichten zufolge waren einige Mitglieder der Dorfgemeinschaft von den Unternehmen um ihr Land betrogen worden.

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Obwohl sie den Männern deutlich machte, dass sie nicht mit ihnen sprechen wollte, bedrohten sie die beiden weiter. Dabei fielen offenbar die Sätze: „Deine eingereichten Beschwerden sind nutzlos, du solltest sie allesamt zurückziehen“ und: „Alle, die dir bei der Klage geholfen haben sind Außenseiter und nicht in der Lage dir zu helfen. Wir werden sie zum Schweigen bringen.“ Nach einer Stunde verließen die Männer das Haus, kamen aber an den folgenden zwei Tagen wieder und schikanierten sie erneut.

Pavitri Manjhi war eine der Anführer*innen im Protest gegen zwei Privatunternehmen, die laut Berichten indigene Adivasi um ihr Land betrogen haben sollen. Dabei ging es in den Jahren 2004 und 2007 um ein geplantes Biomasseheizwerk, ebenso wie um ein Wärmekraftwerk, das zwischen 2009 und 2011 gebaut wurde. Pavitri Manjhi zufolge war ihre eigene Familie sowie weitere Dorfbewohner*innen dazu genötigt worden, ihr Land an Akteure zu verkaufen, die im Auftrag der Unternehmen handelten. Dem Verkauf stimmten sie weder aus freien Stücken zu, noch wurden sie ausreichend über die Folgen informiert. Seit 2015 sieht sich Pavitri Manjhi deshalb mit Bedrohungen, Schikane und Einschüchterungen von Männern konfrontiert, die für das private Wärmekraftwerk arbeiten. Außerdem wurde gegen ihren Sohn Strafanzeige erstattet. Es liegt nahe, dass der Fall konstruiert wurde, um sie davon abzuhalten, ihre Kampagne fortzuführen. Ihr Sohn ist derzeit auf Kaution frei, der Fall aber seit 2015 offen.

Zusammen mit anderen Aktivist*innen gründete Pavitri Manjhi 2017 das Netzwerk „Adivasi Dalit Mazdoor Kisan Sangharsh“, eine Gemeinschaftsinitiative, die Einzelpersonen bei der formalen Einreichung von Beschwerden unterstützt. Die Gruppe arbeitet auf der Grundlage des indischen „Scheduled Castes and Scheduled Tribes (Prevention of Atrocities) Act“ – einem Gesetz zum Schutz der Rechte von Dalits und Adivasi. Das Gesetz stellt Landenteignungen von Adivasi ohne deren Einverständnis unter Strafe. Im Juni 2017 erstatteten etliche Adivasi-Dorfbewohner*innen bei der Polizei des Bundesstaates Anzeige wegen der rechtswidrigen Enteignung ihres Landes. Allerdings verweigerte die Polizei die Aufnahme von Zeugenaussagen – und damit den ersten Schritt eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens.

Die Adivasi Indiens tragen seit Jahrzehnten die Hauptlast entwicklungsbedingter Enteignungen, verursacht unter anderem durch staatliche Kohlekraftwerke. Auch eine Reihe von Schutzgesetzen hat die indigene Bevölkerung in Indien nicht vor dem Verlust ihres Landes, der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage und der Missachtung ihrer Rechte als Folge von Unternehmensaktivitäten bewahrt.

Setzen Sie sich für die Adivasi Indiens ein!

Aktion läuft bis 25. Mai 2018

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