El Salvador: Teodora ist nach 10 Jahren frei

Amnesty forderte seit Jahren die sofortige Freilassung von Teodora del Carmen Vásquez

Teodora del Carmen Vásquez verbrachte ein Jahrzehnt hinter Gittern, nachdem sie schwangerschaftsbedingte Komplikationen erlitten hatte, die zu einer Totgeburt führten. Ihre Freilassung muss die Tür für ein Ende des absoluten Verbots von Schwangerschaftsabbruch in El Salvador öffnen, fordert Amnesty International.
Teodora del Carmen Vásquez wurde am 15. Februar freigelassen, nachdem ein Gericht ihre Strafe herabgesetzt hatte. Aber mindestens 27 Frauen bleiben aufgrund des absoluten Verbots von Schwangerschaftsabbruch inhaftiert, so die Menschenrechtsorganisationen der Frauen im Land.
„Es ist ermutigend zu sehen, dass Teodora aus dem Gefängnis freikommt, wo sie eigentlich nie hätte sein sollen, aber El Salvador ist noch weit davon entfernt, die Rechte von Frauen und Mädchen im Land vollständig zu gewährleisten“, sagte Erika Guevara-Rosas, Amerika-Direktorin bei Amnesty International.

Fehlgeburt als Mord geahndet.  „Die Behörden in El Salvador müssen dringend dieses unerhörte Abtreibungsverbot aufheben, das einen allgegenwärtigen Kontext von Diskriminierung, Schmerz und Ungerechtigkeit geschaffen hat.“
In El Salvador werden Frauen, die unter schwangerschaftsbedingten Komplikationen leiden, die zu Fehlgeburten und Totgeburten führen, routinemäßig einer Abtreibung verdächtigt, die unter allen Umständen verboten ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen häufig Mord oder sogar schweren Mord vor, was eine Strafe von bis zu 50 Jahren Gefängnis bedeutet.
Teodora erlitt 2007 eine Totgeburt, nachdem sie während der Arbeit plötzlich starke Schmerzen verspürte. Die Polizei nahm sie fest, als sie in einer Blutlache lag. Später wurde sie in einem von Unregelmäßigkeiten geprägten Prozess wegen ‚schweren Mordes’ zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Das Justizministerium von El Salvador wandelte jetzt das Urteil um, ohne Teodoras Verurteilung aufzuheben oder ihre Unschuld anzuerkennen. Ihr Anwalt beabsichtigt, ihren Namen reinzuwaschen und Entschädigung und Wiedergutmachung für die 10 Jahre, die sie hinter Gittern verbracht hat, zu fordern.

Mindestens 27 weitere Frauen sind noch immer unter dem drakonischen Abtreibungsgesetz von El Salvador inhaftiert. Die verurteilten Frauen kommen unverhältnismäßig häufig aus armen Verhältnissen und hatten kaum Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Justiz.

Im Bericht „Am Rande des Todes“ von 2014 stellte Amnesty International zudem fest, dass in den dokumentierten Fällen das Recht auf ein faires Verfahren und die Gleichbehandlung vor dem Gesetz verletzt wurde.
Amnesty International fordert eine sofortige Beendigung der Anwendung des Abtreibungsgesetzes, wie es vom UN-Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) am 3. März 2017 empfohlen wurde, mit dem Ziel, die vollständige Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch zu erreichen; die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Frauen, die wegen Schwangerschaftskomplikationen inhaftiert sind; und die Gewährleistung eines sicheren und legalen Zugangs von Frauen zu Schwangerschaftsabbrüchen mindestens dann, wenn ihr Leben oder ihre physische oder psychische Gesundheit gefährdet ist oder im Fall von Vergewaltung, Inzest oder schwerer Fehlentwicklung des Fötus.

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