El Salvador: 30 Jahre Haft nach Fehlgeburt

Teodora del Carmen Vásquez ist seit acht Jahren im Gefängnis. 2008 wurde sie des Mordes schuldig gesprochen, nachdem sie bei der Arbeit eine Fehlgeburt erlitten hatte.

Teodora del Carmen Vásquez verbüßt in El Salvador eine 30-jährige Haftstrafe. Sie hatte bei der Arbeit eine Fehlgeburt erlitten. Die junge Frau wurde anschließend vor Gericht gestellt. Dieses legte die Fehlgeburt nicht als Folge von Komplikationen in der Schwangerschaft aus, sondern als streng verbotene Abtreibung.
Die Mutter eines 11-jährigen Knaben erwartete ihr zweites Kind, als sie plötzlich starke Schmerzen verspürte. Sie kontaktierte die Notfalldienste, verlor aber kurz darauf Fruchtwasser. Sie ging anschließend zur Arbeit, wurde jedoch bewusstlos, nachdem die Geburtswehen eingesetzt hatten. Als sie, stark blutend, zu sich kam, war das Neugeborene tot. Die Polizei war bereits vor Ort, verhaftete Teodora unter Mordverdacht und legte sie in Handschellen. Erst nachher wurde sie in ein Spital gebracht.

Im Rahmen des Briefmarathons 2015 fordert Amnesty International die sofortige Freilassung von Teodora del Carmen Vásquez
Im Rahmen des Briefmarathons 2015 fordert Amnesty International die sofortige Freilassung von Teodora del Carmen Vásquez. © Nick Chaffe for Amnesty International

In El Salvador werden Fehlgeburten regelmäßig als verbotene „Abtreibungen“ ausgelegt und nicht als Folge von Komplikationen in der Schwangerschaft. Schwangerschaftsabbruch ist in El Salvador unter allen Umständen streng verboten, selbst im Falle von Vergewaltigungen und Inzest und auch, wenn das Leben der Frau auf dem Spiel steht. Dies führt dazu, dass sich Frauen bei Schwangerschaftskomplikationen fürchten, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Der zum Urteil gegen Teodora führende Gerichtsprozess genügte den Standards für faire Prozessführung nicht. Sie wurde  von Anfang an als schuldig angesehen. Aus einer armen Familie stammend konnte sie sich keine wirksame anwaltliche Verteidigung leisten. Sie wurde verhaftet, als ihr Sohn drei Jahre war. Seither lebt dieser bei seinen Großeltern. Besuche im Gefängnis sind aufgrund der finanziellen Verhältnisse der Familie nur sehr selten möglich.
Amnesty International fordert von der salvadorianischen Regierung die sofortige Freilassung von Teodora del Carmen Vásquez, die Überprüfung aller anderen Fälle von Frauen, die in Zusammenhang mit Komplikationen in der Schwangerschaft in Haft sitzen sowie die Revidierung der salvadorianischen Gesetzgebung, die Schwangerschaftsabbruch in jedem Fall untersagt und zur Kriminalisierung von Schwangerschaftkomplikationen führen kann.

Im April 2016 reiste eine Delegation von Amnesty International nach El Salvador und besuchte die Frauen im Gefängnis von Ilopango.

Bericht der Delegation

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