China: Ohne Anklage in Haft

Die chinesische Menscherechtsanwältin Li Yuhan © privat

Die Menschenrechtsanwältin Li Yuhan befindet sich in China seit beinahe einem Monat in Haft. Was ihr vorgeworfen wird, ist unklar. Seit dem 9. Oktober hat man nichts mehr von ihr gehört, und es ist nicht bekannt, ob sie Zugang zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl hat. Sie läuft Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.

Setzen  Sie sich für die Menscherechtsanwältin Li Yuhan ein!

Am 9. Oktober schickte Li Yuhan eine SMS an ihren Bruder und sagte ihm, dass sie sich in Polizeigewahrsam befinde. Seither hat man nichts mehr von der Menschenrechtsanwältin gehört. Laut Angaben ihrer Familienangehörigen wurde sie von Mitarbeiter*innen des Büros für Öffentliche Sicherheit im Bezirk Heping der Stadt Shenyang in der Provinz Liaoning in Haft genommen.

Als die Familie nichts mehr von Li Yuhan hörte, wandte sie sich eigenen Angaben zufolge wiederholt mit Fragen nach ihrem Verbleib an die Lokalbehörden. Am 31. Oktober erklärten die Behörden schließlich, dass der Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung des Büros für Öffentliche Sicherheit in Shenyang telefonisch bestätigt habe, dass Li Yuhan von ihnen in Haft genommen worden sei. Der leitende Polizist gab zudem an, von der Menschenrechtsanwältin autorisiert worden zu sein, einen Rechtsbeistand für sie anzuheuern.

Laut Angaben des leitenden Polizisten wird Li Yuhan vorgeworfen, „Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben“. Er legte jedoch weder offizielle Unterlagen vor, noch gab er weitere Informationen preis. Es ist daher unklar, ob Li Yuhan einen Rechtsbeistand ihrer Wahl beauftragt hat oder ob ihr von den Behörden einer zugeteilt wurde.

Am Tag nach der Bestätigung der Inhaftierung von Li Yuhan ging der Anwalt Wang Qiushi zur Hafteinrichtung Nr. 1 der Stadt Shenyang, um die Menschenrechtsanwältin zu besuchen. Er wurde jedoch nicht zu ihr vorgelassen und die Beamt_innen bestätigten ihm lediglich, dass Li Yuhan seit dem 9. Oktober in der Hafteinrichtung festgehalten wird. Als er nach den Anklagen gegen sie fragte, erhielt er zur Antwort, dass diese nicht mitgeteilt werden könnten. Die Beamt_innen weigerten sich außerdem, eine schriftliche gesetzliche Ermächtigung von Li Yuhan für die Beauftragung eines Rechtsbeistands vorzuweisen.

Amnesty International ist besorgt um die Gesundheit von Li Yuhan, da sie an einer Herzkrankheit leidet und sich im März 2017 einem operativen Eingriff unterziehen musste. Li Yuhan befindet sich ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft, und es ist nicht bekannt, ob sie Zugang zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl hat. Sie läuft daher Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.

Li Yuhan arbeitet seit 1991 als Rechtsanwältin und hat seither eine ganze Reihe von menschenrechtlichen Fällen betreut.

Setzen  Sie sich für die Menscherechtsanwältin Li Yuhan ein!

Urgent Action bis 15.12.2017

Ein Gedanke zu „China: Ohne Anklage in Haft“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.