Bosnien: „Wir brauchen Hilfe, kein Mitleid!“

Eine Überlebende vor ihrem Heim in Nordbosnien. © Ziyah Gafić

Mehr als 20.000 Frauen und Mädchen wurden im Bosnienkrieg vergewaltigt, versklavt und gefoltert und warten immer noch auf Gerechtigkeit. Der neue Amnesty-Bericht We need support, not pity dokumentiert die verheerenden physischen und psychischen Folgen dieser Verbrechen auf das Leben der Betroffenen.

„Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Krieg versuchen Tausende von Frauen in Bosnien-Herzegowina immer noch verzweifelt, ins Leben zurückzufinden. Dringend benötigte medizinische, psychologische und finanzielle Unterstützung bleibt ihnen versagt“, erklärt Gauri van Gulik, stellvertretende Europa-Direktorin von Amnesty International.

Täter auf freiem Fuß. Während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 wurden Tausende Frauen und Mädchen vergewaltigt oder sie erlitten andere Formen sexueller Gewalt. Viele wurden von Soldaten und paramilitärischen Gruppen versklavt, gefoltert oder in sogenannten Vergewaltigungslagern von ihren Peinigern geschwängert.

Seit Beginn der Kriegsverbrechertribunale im Jahr 2004 kamen weniger als ein Prozent der Täter von Kriegsverbrechen und sexueller Gewalt vor Gericht – in nur 123 Fällen gab es ein Urteil. Obwohl die Anzahl der Strafverfolgungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, sind viele Täter immer noch auf freiem Fuß oder mit geringen Strafen davongekommen. Langwierige und ungenügende Verfahren untergraben das Vertrauen in die Justiz und halten viele Opfer davon ab, überhaupt Klage einzureichen.

Opfer werden alleingelassen. Opfer sexueller Gewalt gehören zu den verletzlichsten Gruppen in Bosnien-Herzegowina. Viele der Frauen sind arbeitslos und leben in Armut. Nur etwa 800 Überlebende erhalten regelmäßig Sozialhilfe. In vielen Fällen hindern diskriminierende Vorschriften die Frauen daran, staatliche Unterstützung einzufordern.

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