Belarus: DROHENDER SORGERECHTSENTZUG

Journalistin Larysa Schiryakova: © privat

Die belarussischen Behörden drohen damit, der Journalistin Larysa Schiryakova das Sorgerecht für ihren zehnjährigen Sohn zu entziehen, nachdem sie kritisch über Ereignisse im Land berichtet hatte, unter anderem über das harte Durchgreifen gegen friedliche Demonstrierende.

Larysa Schiryakova ist eine unabhängige Journalistin aus Homel im Südosten von Belarus. Sie arbeitet für den polnischen Nachrichtensender Belsat. Aufgrund ihrer kritischen Berichte wurde sie über die Jahre hinweg mehrmals von den belarussischen Behörden festgenommen und mit Geldstrafen belegt, weil sie „ohne Zulassung“ arbeitet. Sie und ihr Nachrichtensender haben mindestens vier Mal einen Antrag auf eine Zulassung gestellt, doch diese wurden jedes Mal willkürlich abgelehnt. Allein im Jahr 2016 erhielt Larysa Schiryakova drei Geldstrafen.

Larysa Schiryakova berichtet aktiv über die jüngsten Proteste gegen die Regierung, die Mitte Februar begonnen haben. Am 12. März wurde sie wegen der Berichterstattung während einer Demonstration in Rahatschou festgenommen und der Teilnahme an einer „nicht genehmigten Massenveranstaltung“ beschuldigt. Mehrere Stunden später wurde sie zwar freigelassen, aber später auf dem Heimweg nach Homel erneut festgenommen. Die Polizei sagte ihr, dass sie einer Verdächtigen im Fall eines Hauseinbruchs ähnelte, und hielt sie acht Stunden lang fest. Larysa Schiryakova wurde schließlich ohne Anklage freigelassen. Am 17. März erklärte sie das Bezirksgericht in Homel wegen der Teilnahme an einer „nicht genehmigten Massenveranstaltung“ am 12. März in Rahatschou für schuldig und verhängte eine Geldstrafe von umgerechnet etwa 70 Euro. Am 18. März erschien die Lokalpolizei im Haus der Eltern von Larysa Schiryakova in Homel, wo sie auf den Sohn von Larysa Schiryakova aufpassten. Die Polizei warnte ihre Eltern, dass Larysa Schiryakova das Sorgerecht für ihren Sohn verlieren würde, weil sie in den vergangenen Jahren so viele Ordnungswidrigkeiten begangen habe.

Am 25. März wurde Larysa Schiryakova ein weiteres Mal festgenommen, dieses Mal während einer Demonstration in Homel, von der sie berichtete. Am nächsten Tag sollte sie zum Verhör zur Polizeidienststelle gehen. Während des Verhörs teilte ihr die Polizei mit, dass ihr zwei neue Ordnungswidrigkeiten vorgeworfen würden: das Nichtregistrieren ihres Hundes und das Nichtentfernen von Sand vor ihrer Wohnung. Larysa Schiryakova war nicht bewusst, dass diese Handlungen als Ordnungswidrigkeiten galten, und hatte zuvor noch nie gehört, dass jemand deshalb bestraft worden wäre. Ein Polizist teilte ihr mit, dass aufgrund der Vielzahl von Ordnungswidrigkeiten, die sie begangen habe, ihre Familie als „sozial unverantwortlich“ eingestuft werden könnte und dass den Behörden in einem solchen Fall keine andere Wahl bliebe, als ihr das Sorgerecht für ihren Sohn zu entziehen und ihn in einem Kinderheim unterzubringen.

Zurzeit erwartet Larysa Schiryakova eine Gerichtsverhandlung am 12. April wegen ihrer Festnahme vom 25. März in Homel. Wenn sie für schuldig erklärt wird, bedeuten dies mindestens zwei zusätzliche Verwaltungsstrafen, was potenziell dazu führen könnte, dass die Polizei ihren Sohn in ein Kinderheim bringt.

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I.E. Frau Alena KUPCHYNA
Hüttelbergstraße 6
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Fax: (+43 / 1) 419 96 30 – 30
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