Bangladesch: Verschwunden – Kalpana Chakma

Bereits vor 18 Jahren wurde die Aktivistin für die Rechte des indigenen Volks der Pahari entführt und blieb verschwunden. Seither verschleppen die Behörden ernsthafte Ermittlungen.

Kalpana Chakma

Kalpana Chakma ist seit 18 Jahren verschwunden. © Ittukgula Chakma

Kalpana Chakma war geschäftsführende Sekretärin der Hill Women’s Federation, einer Frauenorganisation der Pahari, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in den Chittagong Hill Tracts, Bangladesh, einsetzt. Die 23-Jährige wurde in den frühen Morgenstunden des 12. Juni 1996 von ihrem Haus im Dorf Lallyagona, Baghaichari, Bezirk Rangamati, entführt. Seitdem gibt es keine Spur mehr von ihr.

Ihre Entführung hatte möglicherweise mit ihrer Unter­stützung eines Kandidaten zu tun, der die Interessen von Indigenen bei den Parlaments­wahlen vom 12. Juni in Bangla­desch vertrat.

Ihre Entführer waren eine Gruppe von Sicher­heitsleuten in Zivilkleidung, die möglicher­weise zum nahe gelegenen Lager der Ugalchhari-Armee gehörten. Kalpana Chakma und zwei ihrer Brüder wurden gewaltsam aus ihrem Haus verschleppt. Man verband ihnen die Augen und fesselte ihre Hände. In einiger Entfernung vom Haus schafften es die Brüder zu entkommen, obwohl die Sicherheitskräfte auf sie schossen.

NAMEN DER VERDÄCHTIGEN UNTERDRÜCKT. Kalpanas Brüder Kalindi Kumar Chakma und Lal Bihari Chakma hatten die Entführer ihrer Schwester identifiziert, aber der diensthabende Beamte der Polizeiwache von Bagaichhari gestattete ihnen nicht, die Namen der drei Entführer auf das Anzeigenformular zu schreiben. Der Fall wurde am 12. Juni 1996 ohne Nennung der Namen der Verdächtigen angezeigt, und diese wurden bei den Ermittlungen außer Acht gelassen.

2010 legten die ermittelnden Beamten der Polizeistation Bagaichhari und eine von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission des Innenministeriums einen Bericht über die Untersuchungsergebnisse vor und stellten fest, dass keine eindeutigen Zeug_innen oder Beweise im Fall der Entführung von Kalpana Chakma gefunden wurden. Kalpanas Bruder Kalindi brachte eine Beschwerde gegen den Abschlussbericht ein. Das Gericht ordnete daraufhin eine Anhörung und weitere Ermittlungen der Polizei an. Ein erneuter Abschlussbericht wurde nach zwei Jahren weiterer Untersuchung am 26. September 2012 vorgelegt.

Im Januar 2013 reichte Kalindi Kumar Chakma noch einmal eine Beschwerde beim Gericht ein, in der er seine Unzufriedenheit über die neuen Ergebnisse ausdrückte und über das Versäumnis, dass die drei Beschuldigten in der ursprünglichen Untersuchung nicht überprüft worden waren. Daraufhin lehnte das Gericht den Abschlussbericht ab und beauftragte die Polizeikommissarin des Bezirks Rangmati Hill, den Fall Kalpana Chakma weiter zu untersuchen und erklärte, dass jede Anstrengung daran gesetzt werden sollte, „das Opfer Kalpana Chakma zu befreien“. Das Gericht ordnete auch an, dass Aussagen von Zeugen nach § 161 des Strafgesetzbuches protokolliert und die drei der Entführung Beschuldigten überprüft werden sollten.

POLIZEI VERZÖGERT DIE ERMITTLUNGEN. Ein neuer Untersuchungsbericht sollte am 20. März 2013 vorliegen, dann im Mai – nach Verzögerungen durch die Polizeikommissarin. In einem Brief an die oberste Gerichtsbehörde erklärte sie im April 2013, dass sie den  Abschlussbericht von 2012 bereits überprüft habe und den Ergebnissen zustimme. Sie erklärte ferner, dass sie mit diversen administrativen Arbeiten und der „Überwachung der Gesetze“ beschäftigt und es für sie schwierig sei, den Fall ununterbrochen zu untersuchen. Sie bat, dass die Verantwortung für die Untersuchung an den leitenden Beamten der Abteilung für Verbrechensaufklärung oder den stellvertretenden Polizeikommissar übertragen werde. Bis zum Juli 2014 gab es immer noch keinen Untersuchungsbericht.

GROSSES ÖFFENTLICHES INTERESSE. Kalpana Chakmas Verschwinden stieß auf große öffentliche und mediale Anteilnahme in Bangladesch. Der Fall steht beispielhaft für die Gewalt und Unterdrückung der indigenen Pahari Volksgruppe. Jedes Jahr treffen sich Frauenrechtlerinnen der Pahari am Tag ihres Verschwindens, um ihrer Arbeit zu gedenken und ihre Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung zu wiederholen. Obwohl Kalpana Chakma vor über 15 Jahren verschwand, zeigt die gerichtliche Anordnung einer erneuten Untersuchung zu Beginn des Jahres 2013, dass jetzt ein entscheidender Zeitpunkt ist, auf die Behörden Druck auszuüben, damit die Täter endlich vor Gericht gestellt werden.
DIE INDIGENEN PAHARI DER CHITTAGONG HILL TRACTS. Mehr als 15 Jahre nach einer Vereinbarung, die Rechte der indigenen Pahari in ihrer traditionellen Region Chittagong Hill Tracts im Südosten Bangladeschs zu gewährleisten, warten die Pahari immer noch, dass ihnen die Landrechte zugestanden werden. Zusammenstöße zwischen den Pahari und bengalischen Siedler_innen, die nach und nach immer wieder das Land besetzen, sind häufig.
Die Regierung von Bangladesch hat es verabsäumt, das Recht der Pahari auf Sicherheit, die Rechte auf ihr traditionelles Land, auf Lebensunterhalt und Kultur zu schützen und ihnen wirksame Teilhabe an Entscheidungen, die sie betreffen verwehrt.

HELFEN SIE MIT!

Schreiben Sie an die Ministerpräsidentin von Bangladesch und verlangen Sie eine neuerliche unabhängige Untersuchung der Entführung von Kalpana Chakma.

Sheikh Hasina
Prime Minister
Prime Minister´s Office
Old Sangsad Bhaban
Tejgaon
Dhaka-1215
Bangladesh
Fax:        +880 2 811 3244
Email:    pm@pmo.gov.bd

Schneller E-Mail-Appell

Dear Prime Minister,

It has been eighteen years since the disappearance of Pahari activist, Kalpana Chakma, from the Chittagong Hill Tracts. In 1996, at 23 years old, she was abducted from her home in Lallyagona village, Baghaichari, Rangamati district. Kalpana Chakma has never been found.
In January 2013, the court rejected the latest ‘Final Report’ into the investigation of Kalpana Chakma’s disappearance.  Subsequently, the Police Superintendent of Rangmati Hill District was instructed by the Court to further conduct an investigation into Kalpana Chakma’s case and stated that every effort should be given to ‘rescuing the victim Kalpana Chakma’.
A new investigation report was first supposed to be submitted on 20 March 2013, and then in May after administrative delays. The Police Superintendent has since stated that it is difficult for her to investigate the case ‘uninterruptedly’.  To date, a new investigation report following the instructions of the Court has not yet been submitted.

I urge you to:
•    Provide the Rangmati District police the resources needed to carry out the re-investigation of Kalpana Chakma’s disappearance as mandated by the court order.
•    Provide protection to investigators and witnesses in accordance with their wishes so there is no risk of reprisal for people giving evidence.
•    Ensure that a thorough and independent re-investigation of Kalpana Chakma’s case is conducted, which includes the interrogation of the three main suspects, and that any perpetrators are brought to justice.

Yours sincerely,

Aktuelle Informationen (englisch)

 

 

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