Afghanistan: Das riskante Leben von Frauenrechtlerinnen

Frauen leben in Afghanistan gefährlich – umso mehr, wenn sie sich für Frauenrechte engagieren. Die Gewalt reicht von Drohungen über sexuelle Übergriffe bis hin zum Mord. Zum Internationalen Tag der Menschenrechtsverteidigerinnen am 29. November appelliert Amnesty International an Präsident Ghani.

Demo Afghanistan
Demonstration in Kabul gegen sexuelle Belästigung von Mädchen und Frauen © Marcus Perkins für Amnesty

In den vergangenen 14 Jahren haben sich Frauen in Afghanistan einiges an gesetzlichen Verbesserungen erkämpft. Auch der Westen hat viel unternommen und viel Geld investiert, um ihr Los zu verbessern. Doch die Realität der alltäglichen Gewalt an Frauen ist heute eher noch schlimmer als vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen 2001. Ein Bericht von Amnesty International dokumentiert die Situation anhand von neun Fallstudien.  Ärztinnen, Lehrerinnen, Anwältinnen, Journalistinnen,  Aktivistinnen, ja sogar Polzeibeamtinnen werden nicht nur von den Taliban, sondern auch von Kriegsherren und Regierungsbeamten ins Visier genommen. Ihre Autos werden bombardiert, ihre Häuser mit Granaten beworfen, Familienmitglieder werden getötet, und etliche Frauen haben ihr Engagement mit dem Leben bezahlt.

Solche Verbrechen werden jedoch kaum je ernsthaft untersucht, noch weit seltener wird jemand dafür zur Rechenschaft gezogen und verurteilt. Frauenrechtsverteidigerinnen werden nicht unterstützt und nicht wirksam geschützt, wie dies das internationale Recht verlangen würde. Amnesty International appelliert dringlich an die neue Regierung wie auch an die internationale Gemeinschaft, Frauen in Afghanistan nicht weiter im Stich zu lassen.

coverAfghanistanBericht
Fauzia Nawabi von der Unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission spricht mit Bewohnerinnen eines Hauses für bedrohte Frauen. ©Amnesty International

Bedrohung und Ächtung. Als Folge der von den USA geführten Intervention in Afghanistan versprach die Regierung, sich mehr für Frauenrechte einzubringen. Vor allem Frauenrechtsaktivistinnen spielen eine wesentliche Rolle im Kampf um den Fortschritt der Frauenrechte und der Geschlechtergleichberechtigung. Leider werden viele von ihnen für ihre Arbeit verfolgt oder müssen sogar mit dem Leben dafür bezahlen.

Dabei stellen besonders konservative Gesellschaftsgruppen wie die Taliban, andere bewaffnete Kollektive und bestimmte Regierungsmitglieder eine Gefahr für die Aktivistinnen dar, da sie deren Arbeit als Bedrohung für kulturelle, religiöse und soziale Normen ansehen und darstellen.

Auch kommt es häufig zu Drohungen oder Angriffen aus den eigenen familiären Reihen, da diese sich ihrer „unbequemen“ Familienmitglieder schämen und gesellschaftliche Ächtung fürchten.

Straf-, recht- und schutzlos. Die Täter handeln im Wissen um die herrschende Straffreiheit. Es ist allgemein bekannt, dass die zuständigen Behörden im Falle einer Verletzung der Frauenrechte wenn überhaupt träge, oft aber auch gar nicht reagieren.

Die mutigste Frau Afghanistans: Die Senatorin Roghul Khairzad gibt den Kampf für die Rechte der Frauen nicht auf, obwohl sie bereits mehrmals von den Taliban überfallen wurde, die ihre Tochter und ihren Bruder töteten. Nach dem letzten Beschuss lag sie zwei Wochen im Koma und nahm, nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, sofort wieder ihre Arbeit auf. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechtsverteidigerinnen am 29. November startet Amnesty International eine Aktion zum Schutz der Frauenrechtsaktivistinnen in Afghanistan.
Die mutigste Frau Afghanistans: Die Senatorin Roghul Khairzad gibt den Kampf für die Rechte der Frauen nicht auf, obwohl sie bereits mehrmals von den Taliban überfallen wurde, die ihre Tochter und ihren Bruder töteten. Nach dem letzten Beschuss lag sie zwei Wochen im Koma und nahm, nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, sofort wieder ihre Arbeit auf.
Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechtsverteidigerinnen am 29. November startet Amnesty International eine Aktion zum Schutz der Frauenrechtsaktivistinnen in Afghanistan.

Zur Straffreiheit trägt auch der fehlende politische Wille einer Änderung bei. Wer in Afghanistan Macht hat, hat die Freiheit, Frauenrechte zu verletzen, Aktvistinnen zu bedrohen und dafür völlig ungestraft davonzukommen.

In den Augen der Behörden sind die Belange der Frauenrechtsaktivistinnen von geringer Bedeutung. Vielerorts wird berichtet, dass die Polizei Bedrohungen kleinredet und damit weitere strafrechtliche Konsequenzen unterbindet. Frauen und Frauenrechtsaktivistinnen erfahren also weder staatlichen Schutz noch Gerechtigkeit, wenn ihre Rechte verletzt werden.

Die afghanische Regierung und ihre internationalen Partner müssen dafür sorgen, dass Frauenrechtsaktivistinnen ihre Arbeit ausführen können, ohne ständig in Angst vor Gewalt, Verfolgung oder Bestrafung leben zu müssen. Menschen, die Frauenrechte verletzen, müssen sich vor Gericht verantworten.

Amnesty International fordert die afghanische Regierung dazu auf…

  • Frauen im öffentlich-politischen Sektor denselben Schutz zu gewährleisten wie ihren Kollegen
  • Frauenrechtsaktivistinnen zu jedem Zeitpunkt ernst zu nehmen und zu schützen
  • die Straffreiheit zu beenden und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
  • Strategien zu entwickeln, die einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel im Bezug auf Frauen- und Menschenrechte erreichen können

Schließlich sollte die internationale Gemeinschaft die afghanischen Aktivistinnen durch Interventionen und andere Maßnahmen unterstützen und beschützen. Das kürzlich von der EU publizierte Strategiepapier zum Thema Menschenrechte und Aktivistinnen liefert dafür wertvolle Ansätze. Effektive Veränderungen sollten von allen involvierten Staaten als Priorität betrachtet werden.

WERDEN SIE AKTIV! Bitte unterschreiben Sie den Online-Appell an Präsident Ghani

Vollständiger englischer Bericht: THEIR LIVES ON THE LINE: WOMEN HUMAN RIGHTS DEFENDERS UNDER ATTACK IN AFGHANISTAN

 

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