Ägypten: MENSCHENRECHTLERIN IN HAFT

Hanan Badr El-Din setzt sich gegen das Verschwindenlassen ein und wurde nun festgenommen
© Amnesty International / Foto: Henning Schacht

Am 18. Juni verlängerte die Staatsanwaltschaft von Süd-Banha die Untersuchungshaft der Menschenrechtsverteidigerin Hanan Badr el-Din um weitere 15 Tage. Die Aktivistin kämpft gegen das Verschwindenlassen in Ägypten. Ihr wird vorgeworfen, einer verbotenen Gruppe anzugehören. Hanan Badr el-Din begann, sich gegen das Verschwindenlassen einzusetzen, nachdem ihr Mann Khalid Ezz el-Din am 27. Juli 2013 bei einer Protestveranstaltung „verschwand“.

Hanan Badr el-Din wurde am 6. Mai im Qanatar-Gefängnis nördlich von Kairo festgenommen, als sie gerade einen Häftling besuchte, der in der Vergangenheit Opfer des Verschwindenlassens geworden war, bevor er im Qanatar-Gefängnis wieder auftauchte. Hanan Badr el-Din erhoffte sich von ihm Informationen über den Verbleib ihres Mannes. Das Sicherheitspersonal des Gefängnisses nahm sie vor Ort fest und beschlagnahmte ihre Habseligkeiten, darunter auch eine handschriftliche Notiz mit Informationen über ihren Mann. Sie warfen ihr vor, versucht zu haben, die Notiz sowie weitere Schmuggelware ins Gefängnis zu schmuggeln, darunter auch einen USB-Stick. Dieser Vorwurf wurde von der Staatsanwaltschaft jedoch letztlich nicht weiter verfolgt.

Laut Angaben des Rechtsbeistands von Hanan Badr el-Din wurde sie am Tag ihrer Festnahme von 14 – 17 Uhr in einer Zelle festgehalten und dort von Angehörigen der Abteilung für Innere Sicherheit (National Security Agency – NSA) verhört. Am 7. Mai wurde sie zunächst auf die Polizeiwache von Qanatar gebracht und dann zur Staatsanwaltschaft von Süd-Banha, welche ihre Untersuchungshaft anordnete. Am 8. Mai erhob die NSA den Vorwurf, Hanan Badr el-Din sei Mitglied der verbotenen Vereinigung der Muslimbruderschaft. Am selben Tag ordnete die Staatsanwaltschaft auf der Grundlage dieses Vorwurfs eine 15-tägige Untersuchungshaft an. Amnesty International ist der Ansicht, dass diese Vorwürfe haltlos sind und Hanan Badr el-Din lediglich deshalb ins Visier der Behörden geriet, weil sie sich für die Menschenrechte der Opfer des Verschwindenlassens in Ägypten einsetzt.

Hintergrundinformationen und schneller E-Mail-Appell

Amnesty fordert:

  • Bitte verlängern Sie die Haftanordnung gegen Hanan Badr el-Din nicht, sondern lassen Sie sie umgehend und bedingungslos frei und lassen Sie alle Anklagen gegen sie fallen.
  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Hanan Badr el-Din unverzüglich über das Schicksal ihres Mannes Khaled Ezz el-Din informiert wird, und dass die Familien aller Opfer des Verschwindenlassens in Ägypten gleichfalls über den Verbleib ihrer inhaftierten Familienangehörigen in Kenntnis gesetzt werden.
  • Ich appelliere an Sie, die Praxis des Verschwindenlassens in Ägypten zu stoppen, unabhängige Untersuchungen einzuleiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Appell an:

INNENMINISTER
Magdy Abdel Ghaffar

Ministry of Interior
25 El Sheikh Rihan Street
Bab al-Louk, Cairo
ÄGYPTEN

Fax: (00 202) 2794 5529

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herr Omar Amer YOUSSEF
Hohe Warte 50 – 54, 1190 Wien
Telefax: (+43 / 1) 370 81 04 – 27
E-Mail: egyptembassyvienna(at)egyptembassyvienna.at

Ein Gedanke zu „Ägypten: MENSCHENRECHTLERIN IN HAFT“

  1. Jeder Politiker kann die Appelle von Amnesty International verstehen, er braucht sich bloß in die Lage der Personen zu versetzen, für die Amnesty sich einsetzt.
    Wenn ein Verantwortlicher dazu nicht in der Lage ist, kann man ihm vorschlagen, sich seine eigene Tochter oder seinen eigenen Sohn in der Lage vorzustellen, die Amnesty beanstandet.
    Wenn er auch das nicht kann, könnte man von ihm Beweise verlangen, dass er kein Cyborg ist (z.B. sein Röntgenbild durch einen unbeteiligten oder ausländischen Arzt veröffentlichen lassen).
    Falls er tatsächlich einen menschlichen Körper besitzt und immer noch nicht gewillt ist, auf die genannten Vorstellungen einzugehen, könnte man von einem unabhängigen Psychiater seinen IQ austesten lassen oder auch andere Psychotests verlangen und publizieren.
    Sollte er die Tests bestehen könnte man die Bitte, sich in die Situation unschuldig verfolgter zu versetzen, wiederholen usw…

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