VERBOT VON SCHWANGERSCHAFTS-ABBRUCH FÜHRT ZUM TOD HUNDERTER FRAUEN

Frauengruppen demonstrieren am 1. Juli 2014 vor dem Parlament von El Salvador für die Freilassung von 17 Frauen, die Fehlgeburten erlitten hatten, aber wegen angeblicher Abtreibungen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. © Jorge Menjívar

In Berichten über die Situation von Frauen und Mädchen in El Salvador schildert Amnesty International seit September 2014 die Auswirkungen des absoluten Verbots von Schwangerschaftsabbruch auf das Leben von Schwangeren: Gesundheitliche Risiken durch unsichere und heimliche Abtreibungen führen zu einer hohen Müttersterblichkeit; selbst wenn die Schwangerschaft durch Gewalt entstanden ist oder aufgrund von Krankheiten das Leben der werdenden Mutter gefährdet, ist ein Abbruch verboten; Fehlgeburten werden als Abtreibung gewertet und mit bis zu 50 Jahren Haft bestraft.

Auf dieser Seite finden Sie:

  • Briefaktion zum Internationalen Frauentag
  • Infos zur Debatte um das Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch in El Salvador
  • Einzelfall: Zur Situation von Teodora

Hintergrundinformationen und Medienberichte finden Sie auf der Seite der El Salvador Koordinationsgruppe 

AKTION ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG

Schreiben Sie an den Justizminister und fordern Sie Freiheit für die wegen einer Fehlgeburt inhaftierten Frauen. Lassen Sie auch ihre Freund*innen unterschreiben. Musterbrief

Schicken Sie Solidaritätsbriefe an die Frauen im Gefängnis: Musterbrief

GESETZESVORLAGE ZUR ENTSCHÄRFUNG DES VERBOTS VON SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH

Die Präsidentin des Parlamentes, Lorena Pena, und Abgeordnete der Regierungspartei FMLN legten dem Parlament am 11. Oktober 2016 einen Vorschlag zur Reform von Art. 133 des Strafgesetzes vor, wonach Schwangerschaftsabbruch im Falle von Gewalt, Lebensgefahr für die Mutter und Nicht-Lebensfähigkeit des Fötus straffrei werden sollen. Bisher legt Art. 133 des Strafgesetzes Strafen zwischen 2 und 8 Jahren Haft für jede*n fest, die*der einen Schwangerschaftsabbruch herbeiführt, ihm zustimmt oder ihn durchführt.
Diese Gesetzesvorlage verdient unbedingt Unterstützung. Die Menschenrechtsorganisationen in El Salvador, die sich mit der Thematik befassen, haben dazu eine Online-Petition auf change.org erstellt.
Die Diskussion wird mit Sicherheit kontrovers geführt werden, da gleichzeitig noch immer der Gesetzesvorstoß von ARENA zur Verschärfung des Strafrechts auf der Tagesordnung steht.

APPELL GEGEN DEN GESETZESVORSTOSS ZUR VERSCHÄRFUNG DES STRAFRECHTS BEI SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH

Am 1. Dezember 2016 hat Amnesty International dem Parlament von El Salvador insgesamt 30.000 Unterschriften auf einer Petition gegen diesen unsäglichen Gesetzesvorstoß übergeben. In der Folge hat Parlamentspräsident Tenorio, Mitglied der Minderheitenpartei GANA, erklärt, seine Partei werde diesen Gesetzesvorstoß nicht unterstützen. Daher wird dieser Antrag nicht verabschiedet werden.

Parlamentarier der Oppositionspartei ARENA haben im Juli 2016 einen Gesetzentwurf eingereicht, der – falls er verabschiedet würde – das Strafmaß für Abtreibungen auf bis zu 50 Jahre Haft erhöhen würde. Davon betroffen wären nicht nur die Frauen, sondern auch alle, die ihnen bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen, auch Mediziner*innen.

TEODORA

Am 29. Juni 2016 übergab eine Delegation von Amnesty International die weltweit gesammelten Unterschriften zur Forderung nach Freilassung von Teodora: 250.000 Unterschriften sind zusammengekommen! Wir hoffen, dass dieser Appell nicht ohne Wirkung bleibt. Lesen Sie hier den Bericht der Delegation von Amnesty International:
El Salvador: Hunderttausende fordern Freilassung von Teodora de Vásquez
AI-Index: AMR 29/4359/2016, 29. Juni 2016

Download PDF in deutsch
Link zum spanischen Original in der internationalen Website von Amnesty International

Im April 2016 besuchte eine Delegation von Amnesty International das Gefängnis von Ilopango und konnte auch mit Teodora sprechen. Hier finden Sie einen Bericht über diesen Besuch:
El Salvador: Nach Fehlgeburten in Haft

Teodoras Geschichte:

2008 wurde Teodora del Carmen Vásquez wegen „besonders schweren Mordes“ zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie bei der Arbeit eine Totgeburt erlitten hatte.

Teodora, Mutter eines 11 Jahre alten Jungen, erwartete ein weiteres Kind, als sie plötzlich starke, schlimmer werdende Schmerzen erlitt. Sie rief den Notarzt, doch schon kurz darauf platzte die Fruchtblase. Die Wehen setzten ein und sie wurde während der Geburt ohnmächtig.

Als sie stark blutend zu sich kam, war ihr Baby tot. Die anwesende Polizei legte ihr Handschellen an und verhaftete sie wegen Mordverdachts. Erst dann brachten sie sie ins Krankenhaus, wo sie die dringend nötige Behandlung bekam.

In El Salvador werden Frauen, die eine Fehl- oder Totgeburt während der Schwangerschaft erleiden, rountinemäßig verdächtigt, eine „Abtreibung“ vorgenommen zu haben. Schwangerschaftsabbruch ist dort unter allen Umständen eine Straftat, selbst in Fällen von Vergewaltigung und Inzest oder wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Dies führt dazu, dass sich Frauen bei Schwangerschaftskomplikationen keine Hilfe holen, was unausweichlich zu vermeidbaren Todesfällen führt.

Teodoras Gerichtsverhandlung war extrem mängelbehaftet. Wie bei allen ähnlichen Fällen in El Salvador, wurde sie schuldig gesprochen und konnte sich, da sie aus einer armen Familie kommt, keine gute Rechtsverteidigung vor Gericht leisten. Ihre einzige Möglichkeit besteht nun darin, Berufung einzulegen, um das Urteil so zu ändern, dass sie freikommt.

Action for Teodora
Film über Teodora und ihre Geschichte
19. April 2016

Link zum Original (englisch) in der internationalen Website von Amnesty International

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